Berlin (epo.de). – Frauen sind überall auf der Welt Opfer von Gewalt. Zum Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen am Dienstag wird weltweit daran erinnert. Besonders erschreckend sei die derzeitige Lage der Frauen im Kongo, berichteten verschiedene Menschenrechtsorganisationen. „Offiziell seien 2008 bislang 3500 sexuelle Übergriffe [im Kongo] registriert worden. Schätzungen lokaler Menschenrechtsgruppen zufolge ist die tatsächliche Zahl 30-mal so hoch“, teilte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mit. Sie fordert ein entschiedenes Vorgehen gegen sexuelle Gewalt im Kongo und eine bessere Betreuung der Opfer der Gewaltverbrechen.
„Trotz nationaler und internationaler Aktionspläne eskaliert im Kongo die Gewalt gegen Frauen“, warnte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. Zwölf Jahre Krieg und Vertreibung hätten nicht nur unter Soldaten, Milizionären und Polizisten eine „Kultur der Straflosigkeit und Gewalt“ entstehen lassen. Inzwischen würden auch immer mehr Gewaltverbrechen an Frauen von Zivilisten verübt. „In einigen Provinzen sind 14 Prozent der Täter Polizisten“, empörte sich Delius. Deshalb müsse die von Europa unterstützte Reform der Polizei auf ihre Effizienz überprüft und vorangetrieben werden. Außerdem müssten mehr Polizistinnen ausgebildet werden, um das Vertrauen der Zivilbevölkerung in die Sicherheitskräfte zu stärken.
Die juristische Aufarbeitung der Verbrechen sei noch immer vollkommen unzureichend, kritisierte die GfbV weiter. Vor allem aber müsse die psychologische und soziale Betreuung der betroffenen Frauen verbessert werden. Die bestehenden Hilfsprojekte seien nicht ausreichend. Deshalb müsse sich Europa für den Aufbau eines Hilfsfonds einsetzen, von dem die Frauen unbürokratisch Hilfe bekommen könnten.
Seit dem erneuten Aufflammen des Krieges im August 2008 habe auch die sexuelle Gewalt im Kongo deutlich zugenommen. Denn viele der seither geflohenen 260.000 Menschen seien Frauen und Mädchen, die durch die Flucht noch schutzloser geworden seien, berichtete Delius. So seien in Nord-Kivu in der vergangenen Woche 66 Frauen wegen sexueller Übergriffe in Krankenstationen behandelt worden. Im Militärlager von Kibati nahe der Stadt Goma hätten weitere acht Frauen ihre Vergewaltigung angezeigt. Drei von ihnen seien mit großer Wahrscheinlichkeit mit Aids infiziert worden. Insgesamt seien rund 30 Prozent der Frauen im Osten des Kongo auch aufgrund der grassierenden Gewalt HIV-positiv.
Laut Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker sind die Opfer der sexuellen Gewalt zwischen 16 Monaten und 80 Jahren alt. 60 Prozent von ihnen seien Mädchen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. In der 500 Kilometer nördlich der Stadt Kisangani in der Provinz Orientale gelegenen Stadt Bambesa sollen nach Recherchen einer lokalen Frauenorganisation sogar 80 Prozent der Mädchen im Alter zwischen elf und 17 Jahren im Jahr 2007 Opfer sexueller Übergriffe geworden sein. Mehr als die Hälfte von ihnen sei daraufhin schwanger geworden.
VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT
Die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) verurteilte die Eskalation im Kongo als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. „Vergewaltigungen werden von den Bürgerkriegsparteien systematisch eingesetzt“, so die Ministerin. „Die kongolesische Regierung ist verpflichtet, die Bevölkerung ihres Landes zu schützen. Wenn die Regierung des Kongo nicht im Stande ist, die eigene Bevölkerung zu schützen, ist die internationale Gemeinschaft zum Schutz aufgerufen.“
„Dazu müssen die Täter vor den Internationalen Strafgerichtshof gebracht werden. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Luis Moreno Ocampo, hat seine Bereitschaft dazu erklärt. Die Namen der wichtigsten Verantwortlichen sind bekannt. Die internationale Gemeinschaft muss sicherstellen, dass die Menschen in der Krisenregion geschützt werden. Die Aufstockung der UN-Friedenstruppe (Monuc) ist ein wichtiger Schritt. Darüber hinaus unterstütze ich ausdrücklich, was der Bundespräsident gesagt hat: Auch die Europäer müssen bereit sein, Soldaten zu stellen, um diesem Verbrechen gegen die Menschlichkeit Einhalt zu gebieten“, forderte Wieczorek-Zeul.
PROTESTMÄRSCHE DER „UNBERÜHRBAREN“
Aber nicht nur im Kongo kommt es zu Gewalt an Frauen. Die Menschenrechtsorganisation „National Federation of Dalit Women“ (NFDW) macht auf die Diskriminierung und Unterdrückung der so genannten „Unberührbaren“ in Indien aufmerksam. Seit mehr als 20 Jahren ist die Leiterin der NFDW , Ruth Manorama, Projektpartnerin von „Brot für die Welt„. Manorama wurde vor zwei Jahren mit dem „Alternativen Nobelpreis“ ausgezeichnet. Für den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen hat die Orgnaisation landesweite Protestmärsche geplant.
165 Millionen so genannte Unberührbare – Dalits – leben in Indien. Das Kastensystem verweise diese Bevölkerungsgruppe an den äußersten Rand der indischen Gesellschaft, berichtete die Organisation. Obwohl die indische Verfassung sowie internationale Abkommen die Gleichbehandlung garantieren, werden Dalits diskriminiert, unterdrückt, ausgebeutet und misshandelt. Besonders betroffen seien Dalit-Frauen, die nicht nur als Unberührbare, sondern zusätzlich als Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft diskriminiert würden.




