Dungu/Genf (epo.de). – Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat der Friedenstruppe der Vereinten Nationen in der Demokratischen Republik Kongo (MONUC) Untätigkeit vorgeworfen. Die nordugandische Rebellengruppe Lord’s Resistance Army (LRA) habe seit der Weihnachtszeit mehr als 50 Städte und Dörfer im Nordostkongo angegriffen und rund 900 Menschen getötet, erklärte ein Sprecher der Organisation am Mittwoch in Genf. Trotz eindeutigem Mandat habe MONUC nicht eingegriffen.
In der Provinz Haut-Uélé seien Dutzende Orte niedergebrannt, Hunderte Zivilisten ermordet, Männer, Frauen und Kinder entführt worden. „Die Resolution 1856 des Sicherheitsrates vom 22. Dezember 2008 erklärt den Schutz der Zivilbevölkerung zur Priorität der UN-Friedenstruppe“, sagte Marc Poncin, Programmverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen für die Demokratische Republik Kongo in Genf. „Die Monuc muss ihrer Verantwortung nachkommen und die systematisch attackierten Bewohner von Haut-Uélé schützen. Weitere Massaker sind zu erwarten.“
Ein Bewohner des Dorfes Batandé nahe der sudanesischen Grenze habe an Weihnachten zusehen müssen, wie seine Familie massakriert wurde. „Sie haben sie auf eine Wiese gebracht und dann systematisch ermordet. Absolut niemand wurde verschont: Kinder, Säuglinge, schwangere Frauen, alte Menschen. Alle wurden sie umgebracht. Mehr als 60 Menschen.“ Die Überlebenden flüchten nach Angaben der Ärzteorganisation vor den Massakern in die Wälder. Dort warten sie bislang vergeblich auf humanitäre Hilfe, die wegen der unsicheren Lage nicht zu ihnen gelangt.
Die in der Provinz herrschende Instabilität mache jegliche Hilfe außerhalb der Stadt Dungu praktisch unmöglich, beklagt Ärzte ohne Grenzen. Die Risken, in einen überraschenden Angriff zu geraten, seien zu groß. Die Ärzte-Teams seien trotzdem mehrmals in die Orte Faradje, Doruma und Bangadi geflogen, um den Überlebenden zu helfen. Jedes Mal hätten sie aber nur einige Stunden bleiben können, um die wenigen noch lebenden Verletzten zu behandeln. „Wir kamen zwei Tage nach dem Angriff nach Faradje und fanden vier Schwerverletzte, die dort vermutlich zum Sterben zurückgelassen worden waren“, so der Arzt Mathieu Bichet. In Faradje wurden bei jenem Angriff mehr als 140 Menschen getötet.
Schockiert von den extremen Gewalttaten der LRA versteht Ärzte ohne Grenzen die Untätigkeit der MONUC nicht. Schon beim Angriff auf Dungu am 1. November 2008 hätten die UN-Blauhelme ihre Basis nicht verlassen. Auch danach hätten sie nie eingegriffen, um die Bevölkerung betroffener Städte zu schützen, auch nicht als die Angriffe zunahmen. Die Zahl der Blauhelme hat sich seit ihrer Stationierung im Juli 2008 kaum verändert, obwohl sich die Lage seither dramatisch verschlechterte.
Ärzte ohne Grenzen leistet in Haut-Uélé mit sechs internationalen und 25 kongolesischen Mitarbeitern Nothilfe für die Verletzten und bietet mit mobilen Kliniken Behandlungen für Vertriebene in der Umgebung von Dungu an. Außerdem unterstützen die Mitarbeiter die Gesundheitsstrukturen in Doruma, Bangadi, Faradje, Ngilima und Li-May.





