
Die Vereinten Nationen gaben bekannt, dass sich auch der Leiter der UN-Mission in Haiti, Hédi Annabi, und sein Stellvertreter Luiz Carlos da Costa unter den Toten befinden. Sie seien im zusammengestürzten UN-Hauptquartier gefunden worden. Die Weltgesundheitsorganisation bezifferte die Zahl der Toten auf rund 50.000. Haitianische Behörden schätzen ebenfalls, dass bei dem Erdbeben etwa 50.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten schätzen sie auf 250.000.
Die stellvertretende UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe in Haiti, Kim Bolduc, berichtete, auf dem Flughafen von Port-au-Prince träfen immer mehr Hilfsgüter ein. Es sei jedoch schwierig, sie zu den Bedürftigen zu transportieren. Nur die Hauptverkehrsstraßen seien offen, viele Nebenstraßen hingegen noch durch Trümmer blockiert. Man dürfe auch nicht vergessen, dass Haiti schon vor dem Erdbeben ein fragiler Staat gewesen sei. Jetzt funktioniere fast nichts mehr.
Die Sprecherin des UN-Büros für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA), Elisabeth Byrs, sagte, die Verteilung der Hilfslieferungen verbessere sich, sie bleibe aber „sehr kompliziert und sehr langsam“. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz berichtete, es seien 15 Flugzeugladungen Hilfsgüter eingeflogen worden. Sie würden von 19 Hubschraubern abgeworfen.
Deutsche Hilfsorganisationen erklärten, die Lage spitze sich weiter zu. In den Straßen und unter den Trümmern lägen noch Tausende Leichen. Wegen der hohen Temperaturen steige die Gefahr für den Ausbruch von Seuchen, doch es mangele an schwerem Räumgerät. Lebensmittel seien knapp, und die Trinkwasserversorgung stehe kurz vor dem Zusammenbruch.“Der Bedarf an Medikamenten, Lebensmitteln, sauberem Wasser ist riesig, Hunderttausende Menschen sind komplett von internationaler Hilfe abhängig“, erklärte Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnisses Entwicklung Hilft.
In der Port-au-Prince wächst indessen die Angst vor Plünderungen und gewaltsamen Übergriffen. Am Samstag habe eine Menschenmenge in der Hauptstadt um Hilfsgüter gekämpft, berichtete der britische Sender BBC. Am Sonntag stürmten Medienberichten zufolge Hunderte Menschen einen Supermarkt in der Hauptstadt. Als die Polizei das Feuer auf die Plünderer eröffnete, sei ein Mann durch Schüsse getötet worden. Mehrere Diebe sollen in Port-au-Prince von Anwohner gelyncht worden sein.
Ein Soforthilfe-Team der Johanniter-Unfall-Hilfe hat am Sonntag dringend benötigte Hilfsgüter an ein Krankenhaus in der Hauptstadt übergeben. Das „Hospital Adventiste d’Haiti“ im Diquini-Viertel der Hauptstadt sei durch das Erdbeben nur leicht beschädigt worden und habe in den vergangenen Tagen Tausenden von Verletzten Hilfe geleistet. Obwohl Ärzte und Pflegepersonal rund um die Uhr arbeiten, könnten sie den Zustrom hilfesuchender Menschen kaum bewältigen. Die Vorräte an Medizin und medizinischen Verbrauchsgütern waren aufgebraucht.
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