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Nord-Uganda: 190.000 Vertriebene warten noch immer auf Rückkehr

gfbvGöttingen (epo.de). – In Nord-Uganda warten mehr als drei Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs noch immer 190.000 Zwangsumgesiedelte und Vertriebene vom Volk der Acholi auf die Rückkehr in ihre Heimatdörfer. Die Regierung Ugandas und die internationale Staatengemeinschaft müssten mehr tun, um eine zügige Rückführung der zwangsumgesiedelten Acholi sicherzustellen, forderte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Mittwoch in Göttingen.

„Ohne Gerechtigkeit für die Acholi gibt es auch keine Aussöhnung und keinen dauerhaften Frieden in Nord-Uganda“, warnte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. Acholi hätten keine schriftlichen Eigentumsurkunden, da sie das Land traditionell gemeinschaftlich bewirtschafteten. Um Landkonflikte vor Gericht auszutragen, fehle ihnen das Geld. Brandschatzungen, Morde und Überfälle seien die Folge vieler ungelöster Konflikte zwischen alten und neuen Siedlern sowie ehemaligen Soldaten. Lokale Menschenrechtsorganisationen, wie die Gruppe „Human Rights Focus“, werfen führenden Militärs vor, die Vertreibung der Zivilbevölkerung genutzt zu haben, um sich durch Strohmänner die Kontrolle hunderter Hektar Land zu sichern.

Ugandas Regierung weist nach Angaben der GfbV alle Vorwürfe als unbegründet zurück und betont, 1,8 Millionen Kriegsflüchtlinge seien bereits erfolgreich zurückgeführt worden. „Doch solche Zahlen täuschen eine Normalität vor, die für viele Vertriebene noch lange nicht selbstverständlich ist“, sagte Delius. Viele der Rückkehrer bekämen keinen Zugang zu Ackerland und wüssten nicht, wovon sie langfristig leben sollten. Vor allem Kriegswitwen würden oft an einer Bewirtschaftung der Felder gehindert. Zwar seien mehr als 120 der ursprünglich 243 Flüchtlingslager inzwischen geschlossen worden. Doch hätten beispielsweise in dem Bezirk Gulu, der unmittelbar in der Kampfzone gelegen sei, 20.000 der ursprünglich 32.000 Vertriebenen noch nicht wieder in ihre alten Dörfer heimkehren können.

Rund zwei Millionen Zivilisten waren von ugandischen Sicherheitskräften während des 20 Jahre dauernden Krieges gegen die Lord’s Resistance Army (LRA) aus ihren Dörfern vertrieben und in Lagern interniert worden. Statt in den Camps Schutz zu bekommen, seien die Zivilisten dort sowohl dem Terror regulärer Soldaten als auch der LRA ausgesetzt gewesen, so die GfbV: „Jüngst veröffentlichte Studien gehen davon aus, dass rund 97 Prozent aller Todesfälle unter Zivilisten auf die unmenschlichen Zustände in den Lagern zurückzuführen waren und nur drei Prozent durch LRA-Angriffe verursacht wurden.“ Im September 2006 unterzeichneten die Regierung Ugandas und die LRA ein Waffenstillstandsabkommen. Im Oktober 2007 beschlossen die Behörden ein Wiederaufbau-Programm für Nord-Uganda.

www.gfbv.de

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