Berlin (epo.de). – Zu Beginn der Olympischen Winterspiele in Vancouver hat Reporter ohne Grenzen (ROG) darauf hingewiesen, dass in China noch immer Menschenrechtler, Journalisten und Blogger inhaftiert sind, die im Zuge der Spiele in Peking im Jahr 2008 festgenommen wurden. ROG übergab in Berlin und Paris Petitionen an die chinesische Botschaft, in denen ihre Freilassung gefordert wird.
ROG zufolge haben 1.690 Menschen den Online-Appell an den chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao unterzeichnet, alle „olympischen Häftlinge“ freizulassen. In der Petition fordert ROG die umgehende Entlassung aller Häftlinge in China, die während sowie in den Monaten vor und nach den Pekinger Olympischen Spielen festgenommen wurden, weil sie frei ihre Meinung zu dem Sportereignis geäußert oder Kritik an der Lage der Menschenrechte in der Volksrepublik geübt hatten.
„Dutzende chinesische Familien leiden immer noch unter den Folgen der Pekinger Spiele: Ihre Verwandten sind im Gefängnis, obwohl sie nur ihr Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit wahrgenommen haben. Leider tut das Internationale Olympische Komitee (IOC) und dessen Präsident, Jacques Rogge, nichts, um die Freilassung dieser unschuldigen Menschen zu erreichen. Deren Leiden wirft einen Schatten auf die Olympische Bewegung“, kritisierte ROG.
Unter den elf Häftlingen sind neben dem bekannten Internetdissidenten und Sacharow-Preisträger Hu Jia auch der Dokumentarfilmer Dhondup Wangchen und der Kameramann Jigme Gyatso. Beide wurden ROG zufolge im März 2008 während der Dreharbeiten zu dem Dokumentarfilm „Leaving fear behind“ in Tibet verhaftet. Am 28. Dezember 2009 wurde Wangchen zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Film zeigt Tibeter in der Region Amdo, die offen über ihre Ansichten über den Dalai Lama, die Olympischen Spiele in Peking und über die chinesische Gesetzgebung sprechen.
In einem Arbeitslager werde seit August 2008 die Menschenrechtsaktivistin Wang Guilan festgehalten, berichtete ROG. Einen Monat zuvor hatte sie einem ausländischen Journalisten ein Telefoninterview zugesagt. Vor den Spielen hatte sie außerdem eine Petition zur Einhaltung der Menschenrechte aufgesetzt und über 12.000 Unterschriften gesammelt. Auch der Initiator der Kampagne „Wir wollen Menschenrechte und keine Olympiade“, Yang Chulin, sowie zwei seiner Mitstreiter sind unter den Häftlingen.
Derzeit sind in der Volksrepublik 30 Journalisten und 69 Internetdissidenten in Haft. Auf der aktuellen ROG-Rangliste zur Lage der Pressefreiheit weltweit steht China auf Platz 168 von insgesamt 175 Positionen.




