
Nach Angaben von medica mondiale werden im Ostkongo noch immer täglich Dutzende Frauen auf das Brutalste vergewaltigt. Für das Jahr 2009 zählten die Vereinten Nationen monatlich etwa 400 gemeldete Fälle, wobei es sich nur um einen Bruchteil der tatsächlichen Vergewaltigungen handele.
Auch bei den Projektpartnerinnen von medica mondiale vor Ort ist die Krise nach wie vor akut: Täglich kommen vergewaltigte Frauen zu den insgesamt vier Partnerorganisationen in den Kivu-Provinzen. Die Projektleiterin von PAIF (Promotion et Appui aux Initiatives Féminines), Immaculée Birhaheka, wies auf den großen Bedarf der Frauen hin: „Den Frauen fehlt es an allem – an medizinischer Nothilfe, an psychosozialer Betreuung, an Hilfe in ihren Familien und ihren Gemeinden, an wirtschaftlicher Unterstützung.“
Die meisten Frauen würden auf den Feldern überfallen oder aus ihren Häusern entführt, berichtet medica mondiale. Die Täter seien bewaffnet, gehörten der kongolesischen Armee, Milizen oder Rebellengruppierungen an. Gemeinsam sei ihnen die brutale Vorgehensweise: „C., 50 Jahre alt, wurde beispielsweise von Bewaffneten in einen Wald verschleppt und eine Woche lang laufend vergewaltigt. Nach ihrer Flucht musste sie aufgrund eines Risses in der Bauchwand und heraustretenden Eingeweiden sowie Fistelbildung operiert werden. F., ein 14 jähriges Mädchen, wurde nach der Vergewaltigung durch drei Männer, mit sehr schweren Verletzungen an Geschlechtsorganen, Anus und Mund ins Krankenhaus gebracht.“
„Die Bemühungen der internationalen Politik, die Frauen zu schützen, sind absolut unzureichend“, sagte Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale. Die Bundesregierung müsse endlich ihren Einfluss in der DR Kongo nutzen und international darauf hinwirken, dass die MONUC, die UN-Mission für das Land, sich für den Schutz von Frauen und Mädchen vor sexualisierter Gewalt einsetzt. „MONUC fehlt es immer noch an einer starken weiblichen Polizei-Einheit, die sich auf die Auslieferung von Vergewaltigern an die nationale Justiz und die Dokumentation der Fälle konzentriert.“ Bei einer möglichen Verlängerung des MONUC-Mandats ab Juni müsse der Schutz vor Vergewaltigung und anderer Form von sexualisierter Gewalt ausdrücklich beinhaltet sein.
Hauser verwies auf die Erfahrungen der Projektpartnerinnen vor Ort. „Mehr als einmal hat PAIF versucht, MONUC dazu zu bewegen, Mädchen zu befreien, die zum Zweck der sexuellen Ausbeutung versklavt in Militärcamps festgehalten werden. Jedes Mal wurde das abgelehnt und Immaculée Birhaheka musste allein unter großen Gefahren mit den Militärs verhandeln.“
Elementar sei darüber hinaus die Strafverfolgung: „Ein Ende der Straflosigkeit müsste an erster Stelle stehen. Doch die allermeisten Täter können völlig unbehelligt ihr Leben fortführen. Wir können zwar die vergewaltigten Frauen unterstützen, doch wir können natürlich keine Täter verhaften und bestrafen“, stellte Immaculée Birhaheka klar.
Nötig wäre an dieser Stelle eine klare Strategie der Europäischen Union (EU), so Monika Hauser. Die deutsche Bundesregierung müsse auf eine Änderung des Sicherheitsreformprogramms drängen. Weltweit unterstützt die EU 70 Sicherheitsreformprogramme, die vor allem den Aufbau des Justizsystems sowie die Grundlagen der Arbeit von Polizei und Militär beinhalten. „Die EU muss umgehend eine Roadmap, exakte und konkrete Schritte, für das Sicherheitsreformprogramm in der DR Kongo entwickeln, in der Maßnahmen zur Garantie von Frauenrechten und zum Schutz vor sexualisierter Gewalt als Kernelement vorhanden sind, damit Polizei, Justiz und Militär auf die Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet werden“, forderte Hauser.




