Berlin (epo.de). – Mit einem eindringlichen Appell an die Bundesregierung, lokale Friedensakteurinnen und -akteure mehr als bisher zu unterstützen, ist am Freitag die internationale Konferenz „Gender Counts“ in Berlin zu Ende gegangen. Rund 120 Frauen und Männer aus Deutschland, Ostafrika, Nahost, dem Balkan, dem Kaukasus und weiteren Ländern hatten drei Tage lang über Umsetzungsmöglichkeiten der völkerrechtlich verbindlichen Resolution des UN-Sicherheitsrates diskutiert, die die Einbeziehung von Frauen auf allen Ebenen von Friedensprozessen fordert.
Die Konferenz wurde anlässlich des 10. Jahrestages der UN-Resolution 1325 von „OWEN – Mobile Akademie für Geschlechterdemokratie und Friedensförderung“ organisiert. Kooperationspartner waren der Deutsche Frauensicherheitsrat und das Forum Ziviler Friedensdienst, gefördert wurde sie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
„Friedensstrategien müssen geschlechtersensibel und kultursensibel sein“, sagte OWEN-Teamleiterin Joanna Barelkowska. „Auf der Konferenz haben wir erneut gelernt, dass es keine globalen Patentrezepte gibt. Die Friedensarbeit muss sich immer an den konkreten gesellschaftlichen Kontexten und Handlungsmöglichkeiten der lokalen AkteurInnen orientieren. Dabei ist auch wichtig, traditionelle Konfliktlösungsmechanismen einzubeziehen und neu zu interpretieren.“
Ein Beispiel dafür ist das Männernetzwerk „Padare“ aus Simbabwe. Padare, so erklärte Jonah Gokova, Vorsitzender der Zimbabwe Crisis Coalition, werde in seiner Heimat das abendliche Palaver im Freien genannt, bei dem Männer über die Köpfe der Frauen hinweg Entscheidungen träfen. Er und seine Mitstreiter nutzten diese traditionelle Form, um unter Männern darüber zu reden, wie männliche Gewalt eingedämmt werden kann.
Ute Scheub vom Frauensicherheitsrat nannte die bisherige Umsetzungsbilanz der Resolution „katastrophal“: „Nach einer Studie von UNIFEM aus dem Jahre 2009 waren in insgesamt 22 Friedensprozessen seit 1992 – in Afghanistan, Bosnien, Burundi, Darfur, Kongo, Kosovo, Uganda und anderswo – nur 7,5 Prozent der Verhandler und bloß 2 Prozent der Mediatoren weiblich. In 14 Friedensgesprächen gehörten zu den Unterzeichnern nicht mal 3 Prozent Frauen. Auch in der rund 115.000 Personen umfassenden UN-Peacekeeping-Abteilung sind Frauen weiterhin eher selten. Nur etwa 3 Prozent der UN-Militärs, 8 Prozent der UN-Polizisten und 30 Prozent der Zivilpersonals waren 2009 weiblich. Männliche Blauhelme fallen hingegen immer wieder durch sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen auf. Und trotz der Appelle des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan, nationale Aktionspläne zur Umsetzung von Resolution 1325 aufzulegen, sind bislang nur 17 von 192 UN-Mitgliedsstaaten dieser Aufforderung gefolgt – gerade mal etwa 8 Prozent aller Länder. Deutschland ist nicht dabei – wie beschämend.“




