Berlin (epo.de). – Im vergangenen Jahr sind – China ausgenommen – mindestens 714 Menschen in 18 Ländern hingerichtet und mehr als 2.000 Menschen in 56 Ländern zum Tode verurteilt worden. Das geht aus der diesjährigen Statistik zur Todesstrafe hervor, die Amnesty International (ai) am Dienstag veröffentlicht hat. Amnesty geht davon aus, dass in China 2009 Tausende Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. Aus Protest gegen die Geheimhaltung durch Peking veröffentlichte ai aber erstmals keine Zahlen zu China.
Amnesty International forderte die chinesische Regierung auf, Todesurteile und Hinrichtungen nicht länger als Staatsgeheimnis zu behandeln. „Die chinesische Regierung behauptet, dass immer weniger Hinrichtungen stattfinden. Wenn das stimmt, warum verheimlichen die Behörden, wie viele Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden? Warum hütet Peking die Zahlen wie ein Staatsgeheimnis?“, sagte Oliver Hendrich, Experte zur Todesstrafe von Amnesty International in Deutschland. „Zahlen, die nur aus öffentlich zugänglichen Informationsquellen stammen, erfassen nicht das wahre Ausmaß der Todesstrafe in China.“
Neben China vollstreckten ai zufolge im Jahr 2009 Iran (mindestens 388), Irak (mind. 120), Saudi-Arabien (mind. 69) und die USA (52) die meisten Todesurteile. Iran und Saudi-Arabien richteten als einzige Länder minderjährige Straftäter hin.
Amnesty hat für 2009 nach eigenen Angaben dokumentiert, dass einige Staaten wie China, Iran und Sudan die Todesstrafe oft zu politischen Zwecken einsetzten, etwa um Oppositionelle zum Schweigen zu bringen. Auch sei die Anwendung der Todesstrafe von Diskriminierung begleitet gewesen. Todesurteile wurden nach Erkenntnissen von Amnesty oft nach grob unfairen Verfahren verhängt, trafen überdurchschnittlich häufig Arme sowie Angehörige ethnischer, nationaler oder religiöser Minderheiten.

Quelle: Amnesty International
Trotz der erschreckenden Zahl an Hinrichtungen und Todesurteilen dauere der Trend zur Abschaffung der Todesstrafe an, berichtete Amnesty. 139 Staaten haben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation die Todesstrafe im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft – zuletzt Burundi und Togo für alle Verbrechen. „Weniger Länder als je zuvor vollstrecken die Todesstrafe. Die Welt lehnt diese Schande der Menschheit zunehmend ab“, sagte Amnesty-Experte Hendrich. „Wir kommen einer todesstrafefreien Welt Schritt für Schritt näher. Bis dahin wird sich Amnesty für jeden Einzelnen zum Tode Verurteilten einsetzen.“




