Berlin (epo.de). – Reporter ohne Grenzen (ROG) hat nach der Veröffentlichung eines US-Militär-Videos über einen Luftangriff auf mutmassliche „Aufständische“ und Zivilisten im Irak mehr Transparenz von der US-amerikanischen Regierung gefordert. Das bis dahin unveröffentlichte Video war durch die auf Enthüllungen vertraulicher Regierungs- und Unternehmensdokumente spezialisierte Website „Wikileaks“ im Internet publiziert worden.
Das Video dokumentiert den Luftangriff eines US-Kampfhubschraubers in der irakischen Hauptstadt Bagdad am 12. Juli 2007, bei dem mehrere Menschen getötet wurden. Unter den Todesopfern waren auch die beiden „Reuters“-Mitarbeiter Namir Noor-Eldeen und Saeed Chmagh. Bereits 2007 hatte ROG über den 22 Jahre alten Fotografen Noor-Eldeen und seinen 40-jährigen Fahrer Chmagh berichtet.
US-Militärkreise bestreiten nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP die Echtheit der Aufnahmen nicht, ließen aber verlauten, das Video enthülle keine neuen Informationen. Sowohl Aufständische als auch die beiden Reuters-Mitarbeiter hätten sich in einem Gebiet aufgehalten, in dem ein geplanter Überfall auf amerikanische Streitkräfte vereitelt werden sollte. Die Kameras der beiden Journalisten seien fälschlicherweise für Waffen gehalten worden.
Unter Verweis auf den „Freedom of Information Act“ (FOIA) forderte Reuters nach Angaben von ROG bereits seit 2007 eine Kopie des Videos ein. Der „Freedom of Information Act“ verpflichtet die US-Regierung dazu, Aufzeichnungen auf schriftlichen Antrag hin auszuhändigen, sofern diese nicht durch eine Ausnahmeregelung geschützt sind. Dennoch sei das Video bisher nicht an Reuters übergeben worden.
„Wir befürworten die Entscheidung von ‚Wikileaks‘ das Video zu veröffentlichen und fordern das Pentagon zu mehr Transparenz auf. Die Obama-Administration sollte eine offizielle Veröffentlichung des Videos in die Wege leiten und alle weiteren Informationen freigeben, die zu einer vollständigen Aufklärung beitragen könnten“, erklärte ROG. „Sollte die Obama-Administration es versäumen dem FOIA-Antrag von Reuters nachzukommen, bricht sie ihr Versprechen sich für mehr Transparenz einzusetzen.“




