Den Haag (epo.de). – Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) hat zu Beginn der Globalen Konferenz zu Kinderarbeit am Montag in Den Haag zum verstärkten Kampf gegen die schlimmsten Formen der Ausbeutung von Kindern aufgerufen. UNICEF schätzt, dass weltweit 150 Millionen Kinder unter 15 Jahren hart arbeiten müssen und deshalb kaum oder gar nicht zur Schule gehen können.
UNICEF befürchtet, dass die globale Wirtschaftskrise noch mehr Kinder in riskante Arbeitsverhältnisse treibt und Fortschritte beim Kampf gegen Kinderarbeit verhindert. Viele Mädchen und Jungen in Entwicklungsländern schuften unter gesundheitsschädlichen Bedingungen in Fabriken, in Steinbrüchen oder auf Plantagen.
Mit der Internationalen Konferenz am 10. und 11. Mai, die von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) unter Mitwirkung von UNICEF organisiert wird, soll der Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern auf vorangetrieben werden. 450 Repräsentanten aus rund 80 Entwicklungs- und OECD-Ländern, von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen nehmen daran teil.
In einem gemeinsamen Bericht von UNICEF, ILO und Weltbank werden die Konsequenzen aus dem bisherigen Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern aufgezeigt. Demnach ist wichtig, neue Methoden der Datenerhebung zu entwickeln, um möglichst alle Kinder, die von den schlimmsten Formen der Kinderarbeit wie Sklaverei und Zwangsprostitution betroffen sind, ausfindig zu machen und unterstützen zu können. Die 1999 verabschiedete ILO-Konvention 182 gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit müss endlich weltweit gelten und beachtet werden, fordern die Organisationen. Zwölf Staaten haben die Konvention noch nicht ratifiziert, viele weitere müssen die internationalen Regeln noch in nationale Gesetze umsetzen.
„Die internationale Gemeinschaft muss alles daran setzen, damit Kinder nicht die Hauptleidtragenden der Wirtschaftskrise werden“, sagte Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland. „Viele Millionen Mädchen und Jungen schuften in der Landwirtschaft, in der Industrie oder privaten Haushalten – oft zehn oder zwölf Stunden täglich. Das ist gefährlich für ihre Gesundheit. Es nimmt ihnen jede Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Wir müssen es schaffen, wenigstens die schlimmsten Formen der Ausbeutung wirksamer zu bekämpfen und allen Kindern die Chance auf Bildung zu geben.“
Die schlimmsten Formen der Kinderarbeit sind UNICEF zufolge zugleich die unsichtbarsten: Kinderprostitution und Zwangsarbeit tauchen in Wirtschaftsstatistiken nicht auf, weil sie illegal sind. Ohne verlässliche Informationen ist es aber auch schwierig, den betroffenen Kindern wirksam zu helfen. Kinder aus Flüchtlingsfamilien, Kinder, die – oft aufgrund von AIDS – zu Waisen wurden, Kinder, die Opfer von Menschenhändlern wurden – sie alle werden von den amtlichen Statistiken oft übersehen.
Um diese bedrohten Kinder zu finden und zu identifizieren, müssen neue Methoden der Datenerhebung entwickelt werden. UNICEF fordert die Regierungen der betroffenen Länder in Afrika, Lateinamerika und Asien sowie die Geberländer auf, dafür mehr finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.




