
„Den armen Ländern ist nicht geholfen, wenn mehr europäische Exporte ins Land kommen und damit die einheimische Nahrungsmittelproduktion zurückgedrängt wird“, sagte Marita Wiggerthale, Agrarexpertin bei der Hilfsorganisation Oxfam. „Volle Lebensmittelregale machen Hungernde noch nicht satt“.
Roman Herre, Agrarexperte bei der Menschenrechtsorganisation FIAN, betonte: „Das Recht auf Nahrung zu fördern, bedeutet, die Hungernden in die Lage zu versetzen, sich selbst zu ernähren. Das A und O in der Hungerbekämpfung ist die Verbesserung der Einkommensgrundlagen, damit Hungernde sich Nahrungsmittel leisten können.“
Die Studie „Grenzenlos und billig“ zeige, dass die Ernährungsindustrie angesichts der stockenden WTO-Verhandlungen auf bilaterale Freihandelsabkommen setze, um den Zollabbau in armen Ländern voranzutreiben und neue Absatzmärkte für Lebensmittel zu erschließen, so Oxfam und FIAN. „Eine wichtige Lehre aus der Nahrungsmittelkrise ist: Wir brauchen mehr Nahrungsmittelproduktion in den armen Ländern selbst, d.h. weniger Abhängigkeit vom Weltmarkt und mehr Schutzmöglichkeiten“, erklärte Wiggerthale. Ein fairer Welthandel müsse das zerstörerische Agrardumping beenden und wirksam Schutz vor Billigimporten bieten. Die Ernährungsindustrie torpediere die Bemühungen in den armen Ländern, die eigene Nahrungsmittelproduktion zu steigern.
Zur Sicherung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung setze die Ernährungsindustrie zudem vor allem auf Gentechnik, so das Ergebnis der Studie. Die Studie widerlegt die Behauptung, Gentechnik sei das Patentrezept für den Kampf gegen Hunger und Armut. „Das Gegenteil ist der Fall“, stellt Roman Herre klar. „Neben negativen Auswirkungen auf die Umwelt führt Gentechnik zur Abhängigkeit und Verschuldung der Hälfte aller weltweit Hungernden, nämlich der Kleinbauern“.




