
Angesichts der Armut, die in Afghanistan herrsche, gebe es zur Hilfe von außen oftmals keine Alternative, so Gebauer. Dass sie dennoch vielerorts nicht mehr geleistet werden könne, sei nicht zuletzt die Folge ihrer Instrumentalisierung für militärische Zwecke. „Die Vermischung von ziviler Hilfe und militärischen Einsätzen macht unsere Projektpartner verstärkt zur Zielscheibe“, betonte Gebauer. „Helfer und ausländische Soldaten verschmelzen in der Wahrnehmung der Bevölkerung. Die Folge sind tödliche Angriffe mit Opfern vor allem unter den lokalen Mitarbeitern der Hilfswerke.“
Dem Jahresbericht zufolge stieg das Spendenaufkommen von medico international im vergangenen Jahr um neun Prozent auf 2,9 Millionen Euro. Leicht gestiegen sind 2009 auch die öffentlichen Zuschüsse, die 4,5 Millionen Euro betrugen. Der Gesamtetat, der medico international im Berichtszeitraum zur Verfügung stand, betrug fast 10 Millionen Euro.
Befürchtungen, die Finanz- und Wirtschaftskrise könne sich negativ auf die Spendenentwicklung von Hilfswerken auswirken, bestätigten sich im Falle von medico nicht. „Der Grund dafür liegt zum einen in einer langjährig verbundenen und politisch bewussten Spenderschaft, zum anderen daran, dass medico kaum Unterstützung von Unternehmen erhält“, so Gebauer.
Die Aufwendungen für Werbung und Verwaltung lagen dem Bericht zufolge bei 9,4 Prozent der Gesamtausgaben und sind damit laut den Kriterien des DZI-Spendensiegels als „niedrig“ einzustufen.
Insgesamt förderte medico 75 Projekte, darunter große Programme wie das humanitäre Minenräumen in Afghanistan und die Not- und Wiederaufbauhilfe nach dem Gaza-Krieg, aber auch eine Vielzahl von kleineren Maßnahmen, etwa die Unterstützung von abgeschobenen Migranten beim Aufbau neuer Lebensgrundlagen in Mali. Im Zentrum der Kampagnen- und Öffentlichkeitsarbeit standen 2009 der Nahost-Konflikt, die deutsche Afghanistan-Politik und die spontane Organisation einer kritischen Gegenveranstaltung zum „World Health Summit“ in Berlin, der sich in kurzer Zeit viele weitere entwicklungs- und gesundheitspolitische NGOs anschlossen.




