Wien (epo.de). – Mit einem neuen, auf der Welt-Aids-Konferenz in Wien verkündeten Aktionsplan wollen die Vereinten Nationen weitere Ressourcen für die Gesundheit von Müttern und Kleinkindern mobilisieren. Das internationale Kinderhilfswerk World Vision unterstützt den Aktionsplan, sieht aber auch Lücken. World Vision forderte die Bundesregierung auf, bis zum Millenniumsgipfel im September konkrete Zusagen für die Finanzierung lebensrettender Vorsorgesysteme mit integrierter HIV-Prävention in den ärmsten Ländern an den UN-Generalsekretär zu schicken.
Mehr Gesundheit für das eingesetzte Geld sei leicht zu erreichen, betonten UNAIDS, UNICEF und UNFPA am Mittwoch auf der Welt-Aids-Konferenz bei einer gemeinsamen Paneldiskussion mit World Vision. Dazu müsste zunächst der vermeidbare Tod von Hundertausenden Müttern durch Geburtskomplikationen und Aids verhindert und die HIV-Infektion der Neugeborenen gestoppt werden.
Die Überlebenschancen der Kleinkinder stiegen außerdem beträchtlich, wenn die Mütter gebildet seien und die Familien ein Minimum an sozialer Sicherheit hätten. Frauen wünschten sich dringend gut erreichbare „1-shop“-Gesundheitsstationen, in denen Familienplanung, Impfungen und medizinische Hilfe aus einer Hand angeboten werden, denn sie sparten Zeit und Transportkosten. Das Leben von mindestens zehn Millionen Frauen und Kindern könnte innerhalb der nächsten fünf Jahre dadurch gerettet werden.
„Selbst die ärmsten Länder können große Fortschritte bei den Millenniumszielen 4 und 5 erzielen, wenn sie mit der richtigen technischen Expertise unterstützt werden und die Finanzierung solcher einfachen, bewährten Hilfen nicht am Silodenken der Geber scheitert“, erklärte Stefan Germann, der die globalen Gesundheits- und HIV-Partnerschaften von World Vision bei den Vereinten Nationen vertritt. „Der Aktionsplan müsste stärker auf die Überwindung der Hindernisse auf dem letzten Kilometer zum einzelnen Haushalt eingehen, ist aber insgesamt eine hervorragende Initiative, um den Entwicklungsländern innovative Partnerschaften anzubieten.“
Mit einer starken Einbindung ziviler Organisationen und multilateraler Geber wie dem Global Fund wollen die Vereinten Nationen bei den Regierungen Druck machen, nachdem der G8-Gipfel nicht den Durchbruch brachte. Einerseits müssten die wohlhabenden Länder bis 2015 insgesamt 42,4 Milliarden US-Dollar für die Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Gesundheit zur Verfügung stellen. Andererseits sollten die Entwicklungsländer durch die globale Initiative dazu gebracht werden, ihre nationalen Gesundheitsbudgets zu erhöhen und ihre Armutsbekämpfung stärker auf die Reduzierung der Mutter-Kind-Sterblichkeit auszurichten.
„Deutschland sollte beim Millenniumsgipfel mindestens so gut dastehen wie bei der Fußballweltmeisterschaft und sich nicht leise aus der Verantwortung für die Kinder stehlen“, forderte Stefan Germann.
Das Kinderhilfswerk hat sich mit seiner Kampagne „Gesunde Kinder Weltweit“ zur Priorisierung der Mutter-Kind-Gesundheit in den eigenen Gesundheitsprogrammen verpflichtet. In den kommenden fünf Jahren sollen rund 1,5 Milliarden US-Dollar in diese Arbeit fließen. HIV-Programme, die World Vision in 60 Ländern durchführt, sollen ebenfalls einen Beitrag dazu leisten.




