Berlin (epo.de). – Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF ruft anlässlich des Weltkindertages am Montag (20.9.) dazu auf, Kinder weltweit im Umgang mit Gewaltrisiken zu stärken. Gemeinsam mit der UN-Sonderbeauftragten zu Gewalt gegen Kinder, Marta Santos Pais, weist UNICEF darauf hin, dass Schläge, Missbrauch und Drangsalierungen für unzählige Kinder noch immer zum Alltag gehören.
Vielfach gehe die Gewalt von denen aus, denen die Kinder am meisten vertrauen: der Familie und Nachbarschaft, der Schule und im Heim, so UNICEF. Risiken im Internet oder durch die neuen technischen Möglichkeiten von Mobiltelefonen würden vielfach unterschätzt – genauso wie Probleme durch Mobbing und Drangsalierungen in Schulen.
Befragungen von UNICEF in 37 Entwicklungs- und Schwellenländern ergaben, dass gewalttätige Erziehungspraktiken weit verbreitet sind. Zwei von drei Kindern dort berichteten von Schlägen.
Auch unter Heranwachsenden ist Gewalt ein Problem. In mehr als der Hälfte der Industrieländer sagen rund 40 Prozent der 11- bis 15-Jährigen, dass sie in direkte physische Streitigkeiten verwickelt waren.
Jedes dritte Kind in der Europäischen Union, welches das Internet nutzt, ist dort gewalttätigen oder „Hass“-Seiten begegnet. Jedes fünfte bis sechste sagt, dass es im Internet beschimpft oder belästigt wurde. Schwere Formen der Gewalt wie Kinderprostitution, Kinderarbeit oder auch Kinderheiraten sind vor allem da verbreitet, wo es nur einen schwach ausgebildeten Kinderschutz gibt.
„Kinder aller Altersstufen erleiden Erniedrigungen, Drangsalierungen oder werden Opfer von körperlicher Gewalt und Missbrauch. Sehr oft geschieht dies hinter einem Vorhang des Schweigens und der Gleichgültigkeit“, sagte Marta Santos Pais, UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder. „Diese Haltungen müssen überwunden werden. Regierungen, Schulen, Medien müssen das Bewusstsein für den Schutz der Kinderrechte stärken. Die Prävention von Gewalt muss eine Priorität der Sozialpolitik und der ganzen Gesellschaft sein.“
Der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, erklärte: „Kinder brauchen Selbstbewusstsein. Sie müssen frühzeitig lernen, mit Konflikten und Gewaltrisiken umzugehen. Vertrauenswürdige Beschwerde- und Beratungsangebote müssen ausgebaut werden, um Kinder zu ermutigen, Probleme und Gewalterfahrungen anzusprechen und Hilfe zu finden.“




