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Studie: TV-Sender berichten zu viel über Gewalt

welt_medien_150London (epo.de). – Bei der Berichterstattung über Konfliktstaaten zeigen vor allem Fernsehsender in den USA und in Großbritannien übermäßig viel Gewalt und verzerren damit die Realität im Land. Das ist das Ergebnis der ersten faktenbasierte Untersuchung zur Genauigkeit der Berichterstattung internationaler TV-Sender bei den Themen Frieden, Gewalt und Konflikte, die das australische Institute for Economics and Peace (IEP) und das deutsche Medieninstitut Media Tenor jetzt vorgelegt haben.

Die Studie „Frieden und Konflikte in den Medien“ zeige, dass die Mehrheit der Sender ihre Berichterstattung den Ausmaßen der Gewalt in den Ländern angleichen, über die sie berichten, so IEP und Media Tenor. Viele der wichtigsten US-amerikanischen Sender widmeten allerdings mehr als die Hälfte ihrer Nachrichten und aktuellen Berichte Themen der Gewalt. In der Breite der Berichterstattung ist BBC World mit regelmäßigen Berichten über 67 Länder in sechs Kontinenten führend. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt.

Die Studie untersuchte 37 Nachrichtenprogramme von 23 Sendern in 15 Ländern und verglich die Ergebnisse mit dem Global Peace Index (GPI), der das Niveau von Frieden und Gewalt in 149 Ländern untersucht. Insgesamt wurden 197.649 Berichte analysiert. Den Niveaus des GPI – also dem tatsächlichen Ausmaß von Gewalt – entsprachen dabei am ehesten die Programme BBC 2 Newsnight und das ZDF Heute Journal.

Der Bericht enthält auch eine detaillierte Fallstudie zu Afghanistan, aus der hervorgeht, dass ein unverhältnismäßig hoher Anteil der Berichterstattung sich auf Themen wie Verteidigungseinsätze und Kriminalität richtet. Demgegenüber blieben die kritischen Faktoren, auf die es zum Aufbau eines anhaltenden Friedens ankomme, unbeachtet. Themen wären hier etwa eine gut funktionierende Regierung, ein gesundes Wirtschaftsumfeld oder die gleichmäßige Verteilung der natürlichen Ressourcen innerhalb des Landes.

Haupterkenntnisse zu Gewalt in den Medien:

  • Vier Sendungen widmen mehr als die Hälfte ihrer Berichte dem Thema Gewalt: CBS Evening News, Fox Special Report und ABC World News (alle USA) sowie ITV News at 10 (Großbritannien)
  • Die 10 Sendungen mit der meisten Gewalt widmen durchschnittlich 48% ihrer Berichte Gewaltthemen
  • Die 10 Sendungen mit der geringsten Gewalt widmen durchschnittlich 24% ihrer Berichte Gewaltthemen
  • 8 der 10 Sendungen mit der meisten Gewaltberichterstattung kommen aus den USA und Großbritannien

Eine der zentralen Erkenntnisse sei, dass die Themenbreite der Berichterstattung in den Medien Einfluss darauf hat, wie gut die Zuschauer die Kultur eines anderen Landes verstehen, so IEP. Wenn die Medien sich aber nicht auf die Schlüsselfaktoren zum Aufbau eines dauernden Friedens konzentrierten, könnten Friedensinitiativen entsprechend wenig auf die Unterstützung der Zuschauer zählen.

„Egal, ob der Tenor der Berichterstattung positiv oder negativ ist, es kommt entscheidend darauf an, dass sich die Medien auf jene Strukturen konzentrieren, die anderen Nationen auf die Beine helfen“, sagte Steve Killelea, Gründer des Institute for Economics and Peace im australischen Sydney. „Wenn die Medien zu viel Augenmerk auf Gewalt richten, gilt Sicherheitsdenken als alleiniger Weg zum Frieden. Das entspricht genau dem Gegenteil von dem, was wir über die Schaffung von Friedensprozessen wissen.“

Mehr als jedes andere Konfliktland steht Afghanistan im Mittelpunkt des Medieninteresses. Um zu untersuchen, wie genau Medien über Afghanistan berichten, wurden CNN International, BBC World und Al Jazeera English als drei glaubwürdige Sender aus drei Kontinenten ausgesucht. Alle drei zeigten eine ähnliche Anzahl an Berichten zu Themen, die am häufigsten gesendet wurden: Krieg, Wahlen, Kriminalität und internationale Politik. Dabei erwies sich Al Jazeera als der Sender mit der breitesten Themenabdeckung (22 aus 33 möglichen Themen), einschließlich einer höheren Quote zu friedensfördernden Themen.

Al Jazeera News zeige dreimal mehr positive Berichte als BBC World und mehr als achtmal so viele wie CNN International, so die Studie. Die Zuschauer dieses arabischen Senders hätten deshalb ein besseres Verständnis der afghanischen Kultur. Aufgrund der relativen geografischen Nähe zum Konflikt in Afghanistan im Vergleich zu Europa und den USA verlangten die Zuschauer von Al Jazeera aber auch eine nuanciertere Berichterstattung.

„Im Krieg gegen den Terrorismus kommt es entscheidend darauf an, die Zuschauer darüber zu informieren, wie dauernder Frieden und Stabilität geschaffen werden können“, so Roland Schatz, Chef von Media Tenor. „Angesichts der Schlüsselrolle der Medien für die öffentliche Meinung ist eine robuste und vielseitige Berichterstattung zu den wichtigsten Themen entscheidend“.

Positive Friedensberichte machen nur 1,6 Prozent der gesamten in der Studie untersuchten Berichte aus. Es handele sich dabei um Berichte zu aktiven Schritten zur Lösung von Gewaltsituationen, teilten die Forschungsinstitute mit. Die beiden Sender mit den meisten positiven Friedensberichten sind Al Jazeera und die ARD Tagesschau, die beide acht Prozent ihrer Konfliktberichterstattung positiven Berichten über Friedensfortschritte widmen.

Obwohl die US-Sender mehr Sendezeit für den Nahen Osten aufwenden als die europäischen Sender, enthalten die Berichte über Nahost in beiden Fällen über 60% Gewaltthemen, so die Studie. Gleichzeitig berichten Sender in Nahost und Europa vergleichsweise selten über Gewalt in den USA, obwohl die USA auf Platz 85 von 149 Ländern im Global Peace Index liegen.

www.visionofhumanity.org
www.mediatenor.com

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