Berlin (epo.de). – Norwegen, Australien und Neuseeland sind nach wie vor die Länder mit der meisten „menschlichen Entwicklung“, während Simbabwe, die Demokratische Republik Kongo und Niger hinsichtlich Gesundheit, Bildung und Einkommen ganz am Ende der Rangliste von 169 Staaten stehen. Das geht aus dem Human Development Index (HDI) 2010 hervor, den das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) am Donnerstag in Berlin veröffentlichte.
Der Index für menschliche Entwicklung ist ein zusammengesetztes nationales Maß für Gesundheit, Bildung und Einkommen in 169 Ländern. Der HDI 2010, der jetzt in der Jubiläumsausgabe zum 20. Erscheinen des Berichts veröffentlicht wurde, zählt hinter Norwegen, Australien und Neuseeland die sieben Staaten USA, Irland, Liechtenstein, die Niederlande, Kanada, Schweden und Deutschland zu den Spitzenreitern im HDI-Ranking. Am unteren Ende der Skala stehen neben den drei Schlusslichtern Simbabwe, Kongo und Niger auch die afrikanischen Staaten Mali, Burkina Faso, Liberia, Tschad, Guinea-Bissau, Mosambik und Burundi.
Als der Bericht über die menschliche Entwicklung 1990 erstmals erschien, galt seine Prämisse als einfach und zugleich radikal: Nationale Entwicklung sollte nicht nur, wie es lange üblich gewesen war, anhand des Wirtschaftswachstums gemessen werden, sondern auch anhand von Errungenschaften in den Bereichen Gesundheit und Bildung, die in den meisten Ländern ebenfalls messbar waren.
In der Jubiläumsausgabe zum 20. Erscheinen des Berichts „Der wahre Wohlstand der Nationen: Wege zur menschlichen Entwicklung“ werden für den HDI 2010 Daten und Methoden in den Bereichen Einkommen, Bildung und Gesundheit verwendet, die in den meisten Ländern 1990 noch nicht verfügbar waren. Der Bruttonationaleinkommen pro Kopf ersetzt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, um zum Beispiel Einkommen aus Geldtransfers und aus der internationalen Entwicklungszusammenarbeit einzubeziehen. Die zum Zweck der Gewichtung im Index festgeschriebene Einkommensobergrenze wurde abgeschafft, um Ländern, die die frühere Grenze von 40.000 US-Dollar überschritten hatten, einen HDI-Wert zu ermöglichen, der das tatsächliche Einkommensniveau besser widerspiegelt.
Im Bildungsbereich ersetzen die erwarteten Schulbesuchsjahre der Kinder im Schulalter die Bruttoeinschulungsquoten. Die durchschnittlichen Schulbesuchsjahre von Erwachsenen ersetzen den Alphabetisierungsgrad der erwachsenen Bevölkerung, um ein vollständigeres Bild des Bildungsniveaus zu liefern. Im Gesundheitsbereich bleibt die Lebenserwartung der Hauptindikator.
Den diesjährigen HDI sollte man nicht mit dem HDI aus vorangegangenen Ausgaben des Berichts über die menschliche Entwicklung vergleichen, lautet die Botschaft von UNDP, weil andere Indikatoren und Berechnungsmethoden verwendet wurden. Der HDI 2010 bildet die Veränderungen beim Länder-Ranking statt auf jährlicher Basis in Fünfjahresintervallen ab. „Die jährlichen Veränderungen in den HDI-Länder-Rankings sagen nicht viel über die Wirklichkeit von Entwicklung aus, die naturgemäß einen langfristigen Prozess darstellt“, erklärte Jeni Klugman, die Hauptautorin des Berichts.
Mikronesien ist in diesem Jahr zum ersten Mal in der HDI-Tabelle enthalten. Simbabwe wurde wieder aufgenommen, nachdem es 2009 aufgrund fehlender Einkommensdaten nicht enthalten war. Mangels auf internationaler Ebene zusammengestellter und verifizierter Daten fielen 14 Länder aus dem HDI heraus: Antigua und Barbuda, Bhutan, Kuba, Dominica, Eritrea, Grenada, der Libanon, Oman, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Samoa, die Seychellen und Vanuatu sowie die besetzten palästinensischen Gebiete. Vier Länder verfügen zum Beispiel über Informationen zu allen HDI-Komponenten, außer zum Bruttonationaleinkommen: Kuba, Irak, die Marshallinseln und Palau.

Quelle: UNDP
Die Indikatoren der drei Dimensionen werden abgeglichen und kombiniert, so dass dabei ein HDI-Wert zwischen null und eins entsteht. Die Länder werden in vier Kategorien oder Quartile menschlicher Entwicklung eingeteilt: sehr hoch, hoch, mittel und niedrig. Ein Land gehört in die Gruppe von Ländern mit sehr hoher menschlicher Entwicklung, wenn sein HDI im oberen Quartil liegt. Es gehört in die Gruppe von Ländern mit hoher menschlicher Entwicklung, wenn sein HDI innerhalb der Perzentile 51 bis 75 liegt, in die mittlere Gruppe, wenn sein HDI innerhalb der Perzentile 26 bis 50 liegt, und in die Gruppe von Ländern mit niedriger menschlicher Entwicklung, wenn sein HDI im unteren Quartil liegt.
Zusätzlich zum HDI 2010 enthält der Bericht drei neue Indizes: den Ungleichheit einbeziehenden Index für menschliche Entwicklung, den Index für geschlechtsspezifische Ungleichheit und den Index für mehrdimensionale Armut. Die vergangenen Berichte konnten die Ungleichheit der Entwicklung nur zwischen den Ländern, nicht jedoch ungleiche Verteilungen innerhalb der Länder abbilden. Jetzt ist es auch möglich, Ungleichheit – vor allem ungerechte Verteilung von Einkommen und Chancen – innerhalb einzelner Länder zu messen.




