
Weniger aus Rücksicht auf die Regierung, denn aus Angst vor den Folgen landesweiter Unruhen, hatte die Koptische Kirche die Christen in den vergangenen Tagen dazu aufgerufen, sich nicht an den Massenprotesten gegen Armut und Unterdrückung am 25. Januar zu beteiligen. Die Kirche fürchtet, dass die radikal islamische Muslimbruderschaft bei einem Regierungswechsel mehr Einfluss gewinnen und das Los der Christen sich noch weiter verschlechtern könnte. Bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften waren am Dienstag im Verlauf der Proteste in Ägypten zwei Demonstranten und ein Polizist getötet worden.
Mubarak hatte noch am 24. Januar gegenüber einem Redakteur eines Magazins der ägyptischen Polizei erklärt, es sei „unfair und unwahr“, wenn behauptet werde, in Ägypten würden die Kopten diskriminiert. Wer solche Vorwürfe erhebe, „verbreite erfundene Erzählungen“. So solle nur die nationale Einheit von Ägyptern untergraben werden.
„Statt nach dem Anschlag unverzüglich ein Zeichen gegen die Gewalt zu setzen und die seit Jahrzehnten andauernde Diskriminierung der Kopten zu beenden, bestreitet Mubarak einfach die Existenz von Benachteiligungen“, erklärte Delius. „Doch Mubaraks Leugnen ist weder schlüssig noch politisch klug, da die Ungleichbehandlung der christlichen Minderheit zu offensichtlich ist.“ So forderten beispielsweise koptische Organisationen seit 15 Jahren, die Bestimmungen zur empfindlichen Einschränkung von Kirchenneubauten und -renovierungen aufzuheben. Auch Benachteiligungen bei der Vergabe von Arbeitsstellen im Öffentlichen Dienst, bei der Berufsausübung sowie diffamierende Darstellungen in staatlichen Medien und Schulbüchern schürten seit Jahren Ärger unter der christlichen Minderheit.
Als Parlamentarier der Regierungspartei in der vergangenen Woche erneut die strikten Bauvorschriften für christliche Kirchen rechtfertigten, hätten die Kopten verärgert reagiert, berichtete die GfbV. „Sie können uns doch nicht mit Entschuldigungen abspeisen, als ob wir geistig zurückgeblieben wären“, entrüstete sich der koptische Bürgerrechtler Mark Ebeid.




