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Deutsche Banken finanzieren zweifelhafte AKW-Betreiber

atomkraftwerke_100Berlin. – Angesichts der Atomkatastrophe in Japan haben das globalisierungs-kritische Netzwerk Attac und die Umweltorganisation Urgewald die Rolle von Banken bei der Finanzierung von unsicheren Atomkraftwerken scharf kritisiert. Derzeit sei ein neues Projekt in Indien im Gespräch. „Wo große Gewinne winken, spielen Informationen über massive Sicherheitsprobleme und Störfälle keine Rolle“, sagte Jutta Sundermann vom Attac-Koordinierungskreis. „Auf der Jagd nach der größtmöglichen Rendite setzen Banken Millionen Menschenleben aufs Spiel.“

Die Deutsche Bank und die WestLB hätten für Tepco, den Betreiber des japanischen Katastrophen-Reaktors, Anleihen in Höhe von zweimal rund 30 Millionen Euro ausgegeben, berichteten die beiden Organisationen. Die Muttergesellschaft der ING DiBa, die
niederländische ING Groep, habe Tepco-Anleihen für rund 15 Millionen Euro gekauft. „Die Banken haben sich weder für die bekannte Vertuschung von Mängeln und Störfällen durch Tepco interessiert, noch für die schon vor Jahren offenkundigen Folgen kleinerer Erdbeben in den japanischen AKW“, stellte Heffa Schücking, Geschäftsführerin von Urgewald, fest.

Hans Joachim Schwabe, Bankdirektor a.D. einer großen deutschen Bank und heute im Vorstand des Südwind-Institutes, kennt diese Praxis aus eigener Erfahrung: „Banken prüfen, bevor sie ein Geschäft eingehen, nur die Bonität und die Sicherheiten ihres Gegenübers. Mit dem Auflegen von Anleihen wie für Tepco gehen sie kein Kreditrisiko ein. Es zählt nur der finanzielle Erfolg, ethische Kriterien spielen keine Rolle. Es bleibt die Frage, warum Banken nicht finanziell zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie Unternehmen in sensiblen Bereichen finanzieren, die für ihr Tricksen und Täuschen bekannt sind.“

Sowohl Urgewald als auch Attac riefen Kundinnen und Kunden dazu auf, Banken den Rücken zu kehren, die mit Atomkonzernen Geschäfte machen. Dafür hat Urgewald zum Jahresanfang die Broschüre „Wie radioaktiv ist meine Bank?“ veröffentlicht. Attac bereitet derzeit ebenfalls eine Bankwechsel-Kampagne vor, die die gesellschaftsschädigende Praxis von Großbanken in den Fokus rückt.

Angesichts der Katastrophe in Japan wies Urgewald auf ein neues Projekt in Indien hin: An der Küste des Bundesstaates Maharashtra wolle Indiens Nuclear Power Corporation in Jaitapur zwei europäische Druckwasserreaktoren bauen. Jaitapur liege in der einzigen Küstenregion Indiens, die als Erdbeben-Hochrisiko-Zone gilt. Gerade seien 15 internationale Banken angesprochen worden, ob sie das Projekt finanzieren. Heffa Schücking: „Nach der Katastrophe in Japan kann die einzige Lehre sein, dass Banken unter keinen Umständen die Hochrisikotechnologie Atomenergie finanzieren dürfen. Ebensowenig darf der Bund Atomprojekte etwa durch Hermesbürgschaften unterstützen.“

www.urgewald.de
www.attac.de

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