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Deutscher kritisiert „rückwärtsgewandte Entwicklungspolitik“

deutscher_eckhard_100Bad Boll. – Der ehemalige Vorsitzende des Entwicklungs-Ausschusses der OECD, Eckhard Deutscher, hat die Entwicklungspolitik Deutschlands und der Europäischen Union scharf kritisiert. „Es gibt in der Europäischen Union 27 Entwicklungspolitiken“, sagte Deutscher bei einer Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll. „Aber die Idee, jeder Staat könne das große Rad der Weltpolitik drehen, ist eine Illusion. Entwicklungspolitik muss in Brüssel gemacht werden. Derzeit betreiben die EU-Staaten eine rückwärtsgewandte Entwicklungspolitik.“

Der Entwicklungsexperte, der vor seiner Zeit bei der OECD deutscher Exekutivdirektor der Weltbank war, forderte ein abgestimmtes Vorgehen der EU-Länder. Nicht jeder Mitgliedsstaat müsse alles machen, sondern solle sich auf die Zusammenarbeit mit einzelnen Partnerländern im Süden konzentrieren. Nur so könne Europa in der globalisierten Welt bestehen. Allerdings müsse dazu endlich ein ernstgemeinter Dialog mit Entwicklungsländern beginnen.

„Selbst Deutschland hat seit Jahrzehnten keine schlüssige Strategie, sondern arbeitet nach dem Trial-and-Error-Prinzip“, kritisierte Deutscher. Es fehle an Visionen, um globale Probleme auch im Interesse Deutschlands zu lösen. „Entwicklungspolitik ist eine politische Investition in wohlverstandene Eigeninteressen – zum Beispiel, dass Schwellenländer wie Brasilien oder China keine Atomkraftwerke bauen“, so Deutscher. Doch für ein solches Vorgehen fehle es an kohärenter Politik. Die Abstimmung in internationalen Fragen ende oft schon an den Ressortgrenzen der einzelnen Ministerien.

Bei der Tagung „Unternehmen als Entwicklungshelfer“ der Evangelischen Akademie Bad Boll, die am Freitag zu Ende ging, diskutierten Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen, Wirtschaft und Politik, was private Unternehmen mit ihren Investitionen in Entwicklungsländern bewegen können. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) setzt unter Minister Dirk Niebel verstärkt auf die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Nicht-Regierungsorganisationen fordern dagegen, Entwicklungspolitik dürfe nicht deutsche Außenhandelsinteressen im Blick haben, sondern müsse sich an den Bedürfnissen der Menschen in de Entwicklungsländern ausrichten.

www.ev-akademie-boll.de

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