
In der Region Ganze drohen lokalen Behörden zufolge mehr als 80.000 Menschen zu verhungern, darunter 40.000 der 50.000 Bewohner des Bezirks Bamba. Ihr Leben sei bereits akut in Gefahr, so die GfbV. Besonders betroffen seien ältere Menschen und Kinder, die jünger sind als fünf Jahre. Viele Schulen, die eine Speisung der Schülerinnen und Schüler anbieten, erlebten einen großen Ansturm, weil die Familien nicht wissen, wie sie ihre Kinder noch ernähren sollen.
„Wenn Nomaden bis zu zehn Stunden Fußmarsch in Kauf nehmen müssen, um sich und ihre Tiere mit Wasser zu versorgen, dann ist die Not groß“, sagte Delius. „Viele Hirten ernähren sich nur noch von Wildfrüchten, da ihr Vieh zu geschwächt ist. Dringend brauchen die Nomaden mehr Hilfe für sich und ihre Viehherden.“ Die GfbV befürchtet, dass die Hungerkatastrophe bis Oktober 2011 noch weiter eskalieren wird, da dann frühestens neue Regenfälle zu erwarten sind.
Die Dürrekatastrophe löst nach Angaben der Menschenrechtsorganisation zudem unter Nomaden sowie zwischen Nomaden und Bauern immer mehr Auseinandersetzungen um den Zugang zu Brunnen und Weideland aus. Mindestens 121 Menschen seien seit Januar 2011 im Norden Kenias aufgrund dieser Konflikte getötet worden. Damit habe sich die Zahl der Opfer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Von Januar bis Mai 2010 hatte es 68 Tote gegeben.
„Die Nomaden müssen ihr sterbendes Vieh verkaufen“, sagte Delius. Doch die hohe Zahl von Notverkäufen habe zu einem dramatischen Verfall der Preise geführt, so dass die Hirten ihr Überleben mit den Erlösen nicht sichern könnten. Dringend bräuchten sie mehr Viehfutter, und der Verkauf der Tiere müsse subventioniert werden, damit die Nomaden nicht vollkommen von internationaler Nahrungsmittelhilfe abhängig werden.
Im traditionell sehr trockenen Norden Kenias leben mehr als drei Millionen Nomaden, weil dort landwirtschaftlicher Anbau sehr schwierig ist. Unter der jüngsten Dürre leiden vor allem Nomaden der ethnischen Gruppen der Borana, Gabra, Garreh, Murulle, Degodia und Ajuran. Aufgrund des Klimawandels, so die GfbV, werden in der Region die Intervalle zwischen Dürrekatastrophen immer kürzer. Lagen in den 70er-Jahren noch rund zehn Jahre zwischen den Katastrophen, so waren es in den 80er-Jahren nur noch fünf Jahre. Heute wird alle zwei bis drei Jahre eine Dürre registriert. Zuletzt wurden 2009 rund 80 Prozent des Viehbestands kenianischer Nomaden vernichtet.




