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Weltsicherheitsrat soll sich um Sudan kümmern

sudan_lage_150Göttingen. – Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat an die Bundesregierung appelliert, sich während des deutschen Vorsitzes im Weltsicherheitsrat ab 1. Juli besonders für den Sudan zu engagieren. „Der Sudan ist ein Brennpunkt, der in den nächsten Wochen höchste Aufmerksamkeit erfordert. Für das von Krieg erschütterte Land müssen endlich verstärkt Initiativen für die Erreichung des Friedens, Verbesserung der Menschenrechtssituation und einen wirksamen Schutz der Zivilbevölkerung ergriffen werden“, erklärte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius.

Während sich die internationale Aufmerksamkeit auf den am 9. Juli neu entstehenden Staat Südsudan konzentriere, eskalierten die Menschenrechtsverletzungen in anderen Landesteilen wie Darfur und Süd-Kordofan, sagte Delius. Ohne massiven internationalen Druck werde vor allem die humanitäre Versorgung mehrerer zehntausend Nuba in der sudanesischen Provinz Süd-Kordofan nicht zu gewährleisten sein. Am 1. Juli übernimmt Deutschland für einen Monat den Vorsitz im Weltsicherheitsrat.

„Es ist zwar ein erster erfreulicher Schritt, dass sich nach internationalen Protesten die Konfliktparteien in Süd-Kordofan am 28. Juni 2011 zumindest grundsätzlich geeinigt haben, Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu führen. Doch von einem Aussetzen aller Kämpfe und einem freien Zugang von Helfern zur Not leidenden Zivilbevölkerung sind wir noch weit entfernt“, warnte Delius. „Dringend muss sich der Weltsicherheitsrat dafür einsetzen, dass ein humanitärer Korridor in den Nuba-Bergen eingerichtet wird, in dem Zivilisten Schutz vor Übergriffen finden.“ In den Nuba-Bergen leben überwiegend schwarzafrikanische Nuba, die sowohl muslimischen als auch christlichen Glaubens sind.

Die Verantwortlichen für schwere Menschenrechtsverletzungen in Süd-Kordofan müssten endlich zur Rechenschaft gezogen werden, fordert die GfbV. Mindestens 73.000 Menschen seien vor Luftangriffen und Übergriffen von Soldaten und Milizionären seit Beginn der Auseinandersetzungen in den Nuba-Bergen am 5. Juni geflohen, berichteten Augenzeugen. Willkürlich bombardiere die sudanesischen Luftwaffe Dörfer und Städte, sudanesische Soldaten plünderten Häuser und Kirchen. „Es ist ein Hohn, wenn jetzt der Gouverneur der Provinz, Ahmed Haroun, versucht den Eindruck zu erwecken, es sei nun ruhig und friedlich in den Nuba-Bergen“. Haroun wird vom Internationalen Strafgerichtshof als einer der Hauptverantwortlichen des Völkermords in der westsudanesischen Region Darfur per Haftbefehl gesucht.

Auch in Darfur versucht die sudanesische Regierung nach Angaben der GfbV, den Eindruck von Frieden und Normalität zu erwecken. So solle bis zum 9. Juli in Darfur ein Friedensabkommen mit einer Freiheitsbewegung unterzeichnet werden, obwohl auch dort Krieg und Menschenrechtsverletzungen eskalierten. Maßgebliche Rebellenbewegungen verweigerten jedoch ihre Unterschrift.

Der Sudan schaue auf eine lange Geschichte nicht eingehaltener Verträge und Waffenstillstandsabkommen zurück, die hunderttausende Menschen das Leben kostete, kritisiert die GfbV. „Die meisten Abkommen wurden verletzt, noch bevor die Tinte unter den Dokumenten getrocknet war“, mahnt Delius. „Nur stetiger Druck des Weltsicherheitsrats kann verhindern, dass sich diese Tragödie in Süd-Kordofan wiederholt.“

www.gfbv.de

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