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MDG: Trotz großer Fortschritte bleiben die Ärmsten zurück

mdg_report_2011_80Genf. – Beim Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) hat es wesentliche Fortschritte gegeben. Dennoch wird es schwierig bleiben, alle Ziele bis 2015 zu erreichen, weil die ärmsten Menschen zurückbleiben. Das zeigt der MDG-Bericht 2011, den UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Donnerstag der Öffentlichkeit vorstellte. Ban verwies auf große Erfolge, seit sich die Staats- und Regierungschefs im Jahr 2000 auf die Ziele geeinigt hatten, um extremen Hunger, Armut, Analphabetismus und schwere Krankheiten zu bekämpfen.

„Die MDGs haben bereits Millionen Menschen aus der Armut geholt, unzählige Kinderleben gerettet und sichergestellt, dass sie die Schule besuchen“, so der Generalsekretär. „Sie haben die Sterberate von Müttern reduziert, Möglichkeiten und Chancen für Frauen vergrößert, den Zugang zu sauberem Trinkwasser gesteigert und viele Menschen von tödlichen und schwächenden Krankheiten befreit. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass noch ein langer Weg vor uns liegt, um Frauen und Mädchen zu stärken, nachhaltige Entwicklung zu fördern und die am schwersten Betroffenen vor den verheerenden Folgen zahlreicher Krisen zu schützen, seien es Konflikte, Naturkatastrophen oder Preisschwankungen für Lebensmittel und Energie.“

Im MDG-Bericht 2011 werden entwicklungspolitische Erfolge hervorgehoben, die teilweise auf kontinuierliches wirtschaftliches Wachstum in einigen Entwicklungsländern sowie auf gezielte Anstrengungen in kritischen MDG-Bereichen wie Gesundheit zurückgeführt werden. Durch größere Förderung aus zahlreichen Quellen konnten Programmschwerpunkte, wie die Behandlung von Menschen, die an HIV/AIDS erkrankt sind, ausgebaut werden, heißt es in dem Bericht.

„Das Erreichen der Ziele erfordert ein gerechtes und integriertes wirtschaftliches Wachstum – ein Wachstum, das jeden erreicht und allen Menschen, insbesondere den armen und marginalisierten, erlaubt, von wirtschaftlichen Möglichkeiten zu profitieren“, erklärte Ban Ki Moon. „Von jetzt an bis 2015 müssen wir sicherstellen, dass Versprechen eingehalten werden. Entscheidungsträger müssen beweisen, dass sie nicht nur Sorge tragen, sondern auch den Mut und die Überzeugung besitzen, zu handeln.“

Den nachhaltigen Weg einzuschlagen, sei für das Erreichen der MDGs essenziell, so der Generalsekretär. Ökosysteme müssen geschützt werden, um kontinuierliches Wachstum und eine natürliche Umwelt zu sichern. Die im Juni 2012 in Rio de Janeiro stattfindende UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung, auch bekannt als Rio+20, biete eine bedeutende Gelegenheit für neuen Fortschritt.

Ban zufolge sind wichtige Fortschritte zu verzeichnen:

  • Weltweit kann das Ziel, bis 2015 die weltweite Armutsrate auf unter 23 Prozent zu reduzieren, erreicht werden. Trotz jüngster Wirtschafts-, Nahrungs- und Energiekrisen wird die Armutsrate möglicherweise unter die 15 Prozent-Marke fallen.
  • Einige der ärmsten Länder verzeichnen große Fortschritte in der Bildung. Burundi, Madagaskar, Ruanda, Samoa, Sao Tomé und Principe, Togo und Tansania haben das Ziel der Bildung für Alle erreicht oder fast erreicht.
  • Die Anzahl der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren ist von 12,4 Millionen im Jahr 1990 auf 8,1 Millionen 2009 deutlich zurückgegangen. Täglich sterben 12.000 Kinder weniger.
  • Die Wahrscheinlichkeit an Malaria zu sterben konnte zwischen 2000 und 2009, durch einen deutlichen Anstieg der Hilfsmittel und besserer Kontrolle um 20 Prozent von 985.000 auf 781.000 gesenkt werden.
  • HIV-Neuinfizierungen gehen stetig zurück. 2009 haben sich 2,6 Millionen Menschen neu mit HIV infiziert – ein Rückgang von 21 Prozent seit dem Jahr 1997, in dem die Zahl der Neuinfizierten einen Höhepunkt erreicht hatte.
  • Die Anzahl der HIV/AIDS-Infizierten, die Zugang zu einer antiretroviralen Behandlung haben, hat sich von 2004 bis 2009 um ein 13-faches verbessert.
  • Schätzungsweise 1,1 Milliarden Menschen in städtischen und 723 Millionen Menschen in ländlichen Gebieten haben zwischen 1990 und 2008 Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten.

DIE ÄRMSTEN WERDEN NICHT ERREICHT

Fortschritt ist dem Bericht zufolge jedoch nicht überall zu verzeichnen. Die Situation zu vieler Menschen bleibe immer noch unverändert. Trotz großer Verbesserungen könne die Kluft innerhalb und zwischen den Ländern nicht geschlossen werden – die Anstrengungen müssten verstärkt werden.

„Der Fortschritt erreicht nicht die wirtschaftlich Schwachen oder die Menschen, die aufgrund ihres Geschlechts, Alters, Behinderung oder Herkunft diskriminiert werden“, so Ban Ki Moon. „Die Ungleichheiten zwischen städtischen und ländlichen Gebieten sind weiter erheblich.“

Der Bericht macht deutlich, dass im Bereich Ernährung und Überleben der ärmsten Kinder die geringsten Fortschritte erzielt wurden. Im Jahr 2009 litt nahezu ein Viertel der Kinder in den Entwicklungsländern an Untergewicht, davon waren die ärmsten Kinder am meisten betroffen. Kinder aus den ärmsten Familien in den Entwicklungsländern sind im Vergleich zu Kindern aus wohlhabenden Familien einem zweimal so hohen Risiko ausgesetzt, noch vor ihrem fünften Geburtstag zu sterben.

Während einerseits betont wird, dass die Erfüllung der MDGs in hohem Maße von der Förderung der Frauen und der Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen abhängt, zeigt der Bericht andererseits, dass die Erreichung dieses Ziels noch in weiter Ferne liegt. So verdeutlicht der Bericht, dass die Chancen für Frauen auf eine volle und produktive Beschäftigung besonders gering bleiben. Nachdem von 2008 bis 2009 erhebliche Arbeitsplatzverluste verzeichnet wurden, war das Beschäftigungswachstum der Frauen gegenüber den Männern während des Wirtschaftsaufschwungs im Jahr 2010, insbesondere in den Entwicklungsländern, deutlich geringer.

Dem Bericht zufolge gingen Fortschritte im Bereich der sanitären Anlagen häufig an armen und ländlich lebenden Menschen vorbei. Über 2,6 Milliarden Menschen haben noch immer keinen Zugang zu Toiletten oder verbesserten Sanitäranlagen. Dort, wo Fortschritte erzielt wurden, wurden die Armen weit gehend übergangen. So ist zum Beispiel die sanitäre Versorgung der ärmsten 40 Prozent der Haushalte in Südasien zwischen 1995 und 2008 kaum gestiegen.

Die acht MDGs, die auf dem UNO-Millenniumsgipfel im September 2000 vereinbart wurden, zielen weltweit auf die Reduzierung von extremer Armut und von Hunger, auf die Verbesserung der Gesundheit und der Bildung, auf die Stärkung der Frauen und auf die Sicherstellung der ökologischen Nachhaltigkeit bis 2015 ab. Auf dem UN-Millenniumsgipfel im September 2010 haben die Staats- und Regierungschefs ihre Verpflichtung gegenüber den MDGs nochmals bestätigt.

Der Bericht über die Millenniums-Entwicklungsziele, eine jährliche Bewertung der regionalen Fortschritte zu den MDGs, reflektiert die umfassendsten und aktuellsten Daten, die von über 25 UN- und internationalen Organisationen gesammelt und von der Hauptabteilung für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen zusammengestellt werden.

www.un.org/millenniumgoals
www.uno.de

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