
An die internationale Gemeinschaft appellierte die internationale Menschenrechtsorganisation, Militäroffensiven der somalischen Armee, die die Not der Hungernden schüren, nicht länger zu unterstützen. Stattdessen solle dafür Sorge getragen werden, dass unter Hunger und Entbehrungen leidenden Zivilisten aus Somalia eine Fluchtmöglichkeit in das Nachbarland bleibt.
Kenias Behörden lehnen die Einrichtung eines vierten Flüchtlingslagers in Dadaab nahe der Grenze zu Somalia ab. Dort will das Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) 90.000 neue Flüchtlinge unterbringen, die in den kommenden drei Monaten erwartet werden. Trotz der verstärkten Überwachung der Grenze und der Zurückweisung von vielen somalischen Flüchtlingen gelinge jeden Tag rund 1.500 Somalis die Flucht nach Kenia, so die GfbV.
Die humanitäre Lage der an der Grenze abgewiesenen Hunger- und Kriegsflüchtlinge wird der GfbV zufolge immer verzweifelter, da sie von internationalen Helfern kaum erreicht werden. Sie litten unter Nahrungs- und Trinkwassermangel und seien von tagelanger Flucht geschwächt. Unter dem Eindruck der immer katastrophaleren Zustände an der Grenze suchten viele Abgewiesene in der weiter im Inland Somalias gelegenen Stadt Dobley nach dem Nötigsten. Doch die Stadt sei auf einen Flüchtlingsansturm nicht vorbereitet.
Zurzeit leben 397.000 Flüchtlinge aus Somalia in den drei hoffnungslos überfüllten Lagern von Dadaab, berichtet die GfbV. 116.000 von ihnen trafen erst in diesem Jahr dort ein. Der Flüchtlingsstrom schwoll seit Anfang Juni 2011 deutlich an. 76.000 Menschen wurden seitdem in den Lagern aufgenommen.
Kenia fühlt sich mit der Betreuung der Flüchtlinge überfordert und fürchtet um seine Sicherheit. Radikal islamische Milizionäre versuchen, in den Flüchtlingscamps neue Kämpfer anzuwerben. Außerdem schüre die große Zahl von Flüchtlingen Konflikte unter der einheimischen Bevölkerung. Gegenüber einer Delegation ausländischer Botschafter, die Anfang der Woche die Lager in Dadaab besuchten, hatten die Provinzbehörden nochmals bekräftigt, dass sie ein viertes Flüchtlingslager nicht gestatten würden. „Kenia trägt heute die Hauptbürde des Bürgerkrieges in Somalia“, sagte Delius. „Dringend braucht das Land mehr internationale Hilfe, um diese Mammutaufgabe bewältigen zu können.“




