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Libyen: Berber kämpfen für Anerkennung ihrer Rechte

libyen_lage_100Göttingen. – Libyens Berber sind nach Informationen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) maßgeblich an den Militäroffensiven auf die libysche Hauptstadt Tripolis beteiligt. „Viele Berber sind nach 42 Jahren der Unterdrückung durch das Gaddafi-Regime dazu bereit, ein sehr hohes Risiko auf sich zu nehmen. Sie wollen erreichen, dass ihre Sprache und grundlegenden Menschenrechte endlich anerkannt werden“, sagte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen.

Die Berber, die sich selbst Masiren nennen, hätten Anlass zur Hoffnung, dass eine neue Regierung ihre Rechte achten wird, so die GfbV. Denn der Nationale Übergangsrat Libyens erkenne die große Bedeutung der nichtarabischen Minderheit für die Befreiung Libyens durchaus an. Das Gremium habe sich bereits im Frühjahr 2011 beim „Königlichen Institut der Berber-Kultur“ in Marokko über geeignete Maßnahmen zur Förderung der Sprache der Masiren in einem zukünftigen demokratischen Libyen informiert. Außerdem besuchten Anfang August führende Mitglieder des Übergangsrates gemeinsam mit dem Präsidenten des Weltkongresses der Masiren, Belkacem Lounes, und seinem Vizepräsident, Khalid Zerrari, Gebiete, die von aufständischen Berbern kontrolliert werden.

„Obwohl der Kampf gegen das Gaddafi-Regime noch nicht ausgefochten ist, hat der politische Frühling für die Masiren in Libyen bereits begonnen“, berichtete Delius. Schon im Mai habe mit „Inghmissen“ der erste Fernsehsender der Masiren seinen Betrieb aufgenommen. Er strahle sein Programm in der Tamazigh-Sprache aus, die Masiren und Tuareg teilen. In den befreiten Gebieten werde an einigen Schulen bereits in Tamazigh unterrichtet.

Libyens Staatssicherheit hatte noch im Dezember 2010 zwei junge Forscher verhaftet, die für das „Königliche Institut der Berber-Kultur“ in Marokko die Situation der Masiren und ihrer Kultur untersuchen wollten. Auch Tuareg seien im Frühjahr 2011 mehrfach von libyschen Sicherheitsbeamten bedroht und verhaftet worden, weil sie sich für ihre Rechte engagierten.

„Libyens Berber und Tuareg haben aus den Erfahrungen der Berber in Algerien gelernt, die nach der Unabhängigkeit ihres Landes 1962 übergangen und arabisiert wurden“, sagte Delius. „Während des Unabhängigkeitskampfes war den Ureinwohnern immer versprochen worden, dass ihre Kultur in einem freien Algerien anerkannt wird.“

Die Masiren stellen rund zehn Prozent der Bevölkerung Libyens und leben vor allem im Westen des Landes. In den ölreichen Wüstenregionen im Südwesten Libyens gibt es außerdem mehr als 10.000 Tuareg. Die nichtarabischen Ureinwohner Nordafrikas stellen vor allem in Marokko und Algerien einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung. Aber auch in Tunesien und im Westen Ägyptens leben viele Masiren. Sie alle werden durch den Weltkongress der Masiren vertreten.

www.gfbv.de

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