Köln. – Das Kinderhilfswerk UNICEF hat gemeinsam mit anderen UN-Organisationen die neuesten Schätzungen zur Kindersterblichkeit vorgelegt. Demnach starben laut dem Report „Child Mortality – Levels And Trends 2011“ im Jahr 2010 täglich fast 21.000 Kinder unter fünf Jahren – rund 12.000 weniger als 1990. Dies entspricht einem Rückgang um 35 Prozent in zwanzig Jahren. In absoluten Zahlen ging die Zahl der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren weltweit seit 1990 von mehr als 12 Millionen auf 7,6 Millionen zurück.
Trotz der Erfolge reichen die Fortschritte UNICEF zufolge nicht aus, um bis zum Jahr 2015 die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu senken, wie es die internationale Gemeinschaft mit dem Millenniumsziel Nr. 4 vereinbart hatte. „Nur wenn wir in die am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen investieren, können wir schneller und kostenwirksamer mehr Kinderleben retten“, erklärte UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake.
Die Erfolge beim Versuch, die Überlebenschancen von Kinder zu verbessern, sind nach Angaben von UNICEF sehr unterschiedlich verteilt – sowohl zwischen den Weltregionen, als auch innerhalb der Länder. Das Risiko für Kinder, an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten zu sterben, ist insbesondere in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara am höchsten. Zwar gebe es auch hier beachtliche Fortschritte. Trotzdem stirbt in der Region immer noch jedes achte Kind unter fünf Jahren. Dies sei 17 Mal mehr als der Durchschnitt von entwickelten Regionen (jedes 143. Kind), berichtete UNICEF. In Südasien erlebe jedes 15. Kind seinen fünften Geburtstag nicht.
Die meisten Todesfälle bei Kindern sind laut Bericht auf vier Ursachen zurückzuführen: Lungenentzündung (18 Prozent), Durchfallerkrankungen (15 Prozent), Frühgeburtskomplikationen (12 Prozent) und Erstickungstod bei Geburt (9 Prozent). Jeder dritte Todesfall bei Kindern hängt mit chronischer und akuter Unterernährung zusammen. Vor diesem Hintergrund warnt UNICEF vor einem weiteren Kindersterben am Horn von Afrika, wo derzeit allein in Somalia 160.000 schwer mangelernährte Kinder akut bedroht sind.
UNICEF weist darauf hin, dass gerade die ärmsten Kinder in den Entwicklungs- und Schwellenländern weiterhin nur wenig von einer besseren medizinischen Grundversorgung profitieren. So trügen Kinder aus ländlichen und ärmeren Gegenden oder aus sehr armen Familien ein 1,7 bis 2 Mal höheres Risiko, vor ihrem fünften Geburtstag zu sterben, als ihre Altersgenossen in den Städten oder in wohlhabenderen Familien. Besonders Neugeborene und Säuglinge müssten stärker in den Fokus gerückt werden: Mehr als 40 bzw. 70 Prozent der Todesfälle treten im ersten Lebensmonat bzw. während des ersten Lebensjahres auf, so der Bericht.
UNICEF ruft die Regierungen dazu auf, sich gezielt für eine bessere Grundversorgung für die am stärksten benachteiligten Familien einzusetzen. So müssten einfache und kostengünstige Maßnahmen wie Impfungen, imprägnierte Moskitonetze oder die Ausbildung von Hebammen ausgeweitet und das Stillen gefördert werden, um das Überleben der Frauen und damit ihrer Kinder zu sichern.
Der Bericht „Levels & Trends in Child Mortality“ (2011) wurde veröffentlicht von der UN Inter-agency Group for Child Mortality Estimation (IGME), UNICEF, WHO, Weltbank und UN Population Division.




