
Fortschreitende gesellschaftliche Aufklärung und immer mehr fundierte Studien förderten Erschreckendes zutage, so die Kindernothilfe. Laut einem UN-Bericht würden weltweit rund 1,5 Milliarden Kinder Opfer von Gewalt und Missbrauch. Das Täterfeld reiche von engen Verwandten bis hin zu Institutions- und Staatsvertretern.
Dass legislative Anstrengungen noch längst keinen tatsächlichen Schutz für Kinder garantieren, ist etwa in Pakistan sichtbar: „Frühverheiratung und Schuldknechtschaft beispielsweise sind dort zwar gesetzlich verboten“, so Heringer. Doch der jährliche Bericht des lokalen Kindernothilfe-Partners Sparc zur Lage der Kinder in Pakistan zeige: „Diese gewaltsamen Praktiken sind noch immer an der Tagesordnung, 40 Prozent der Mädchen werden vor dem 18. Lebensjahr verheiratet, die jüngsten schon im Alter von drei Jahren.“ In diesen Verbindungen sind Mädchen laut Sparc-Bericht besonders stark von Gewalt bedroht.
Auch der Entwicklungsstand eines Landes lässt keine hinreichenden Rückschlüsse auf den Schutz von Kindern zu, wie das Beispiel Chile zeigt. Das lateinamerikanische Land zählt zwar laut UN zu den hochentwickelten Staaten. „Jedoch werden zahlreiche Kinder der indigenen Mapuche-Bevölkerung jährlich Opfer von brutalen, rassistisch motivierten Polizeiübergriffen“, sagt Heringer. Alleine die Kindernothilfe-Partnerorganisation Anide hat in einem aktuellen Bericht 39 Fälle dokumentiert, die von Schusswaffeneinsatz bis zu Folterungen reichen.
Die Kindernothilfe ist insgesamt in 29 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika tätig und erreicht mit ihrer Arbeit rund 656.000 Kinder. „Sie vor Gewalt zu schützen und präventive Maßnahmen zu treffen, gehört mit zum Kern unserer Arbeit“, so Heringer. Das schafft die Kindernothilfe unter anderem durch Schutzeinrichtungen, Gemeinwesenprojekte zur wirtschaftlichen, sozialen und politischen Stärkung, Hilfe zur Traumabewältigung, Bewusstseinsarbeit und politische Arbeit auf nationaler und internationaler Ebene.




