
Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben darüber hinaus Tausende weitere Flüchtlinge aus dem Grenzgebiet auf dem Weg zur Sammelstelle in Doro gesehen. Viele Flüchtlinge berichten den Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen von Luftangriffen im Bundesstaat Blue Nile. „Ich habe mein Haus verlassen, weil Krieg ausgebrochen ist“, sagte ein 50-Jähriger in Doro. „Flugzeuge haben unser Dorf bombardiert. Wir waren acht Tage unterwegs, zusammen mit vielen anderen. Vor drei Tagen sind wir angekommen, aber wir haben nur wenige Lebensmittel mitnehmen können. Einige Tage lang haben wir gar nichts gegessen.“
„Man kann die Sammelstelle noch nicht als Flüchtlingslager bezeichnen, weil die Verteilung der Flächen und die Organisation gerade erst begonnen hat“, erklärte Jean-Marc Jacob, der stellvertretende Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. „Es kommen immer mehr Flüchtlinge in dem Steppengebiet an, und die Schlange der Neuankömmlinge wird immer länger. Die lokale Gesundheitsstation ist mit diesem Ansturm völlig überfordert.“
Am Wochenende hatte Ärzte ohne Grenzen einen ersten Transport mit Medikamenten und medizinischem Material nach Doro gebracht. Am Montag begannen drei Ärzte damit, die Flüchtlinge zu behandeln. „Im Moment konzentrieren wir uns auf Patienten mit den schwerwiegendsten Krankheiten. Allein bis Dienstagmittag haben wir 118 Patienten in unserer Klinik behandelt. Schwere Fälle von Malaria, Durchfall und Atemwegserkrankungen versorgen wir zuerst. Bisher hatten wir 22 solcher Notfallpatienten“, sagte Dr. Asaad Kadhum, der Projektleiter des Teams. „Das entstehende Lager zieht sich über eine große Fläche hin und wächst weiter. Deshalb müssen wir so schnell wie möglich eine mobile Klinik einrichten, um alle Flüchtlinge, die behandelt werden müssen, auch versorgen zu können.“
Das Team will auch ein therapeutisches Ernährungszentrum für schwer mangelernährte Kinder einrichten. Es sei auch absehbar, dass Impfkampagnen und Geburtshilfe nötig sein werden. Unter den Flüchtlingen befänden sich viele schwangere Frauen, die ihre Kinder unter äußerst schwierigen Bedingungen zur Welt bringen müssten.
Auf dem Gelände gibt es nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen im Moment nur zwei Wasserlöcher. Die Flüchtlinge stehen bis zu fünf Stunden lang an. Bisher gibt es keine einzige Latrine, und es ist völlig unklar, wie die Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln versorgt werden können. Ein Experte von Ärzte ohne Grenzen für Wasser- und Sanitäranlagen prüft derzeit, wo am dringendsten geholfen werden muss.




