Göttingen. – In Mauretanien sind der Sklaverei-Kritiker Biram Dah Abeid und vier Unterstützer seiner Menschenrechts-Organisation IRA verhaftet worden. Wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Montag in Göttingen berichtete, hatten sie zuvor Schriften muslimischer Gelehrter verbrannt, die die Sklaverei rechtfertigen. Die GfbV forderte die Freilassung der Menschenrechtler.
„Natürlich ist eine Bücherverbrennung sehr problematisch und wir wollen dies auch nicht rechtfertigen. Der Protest richtet sich auch nicht gegen den Koran oder den muslimischen Glauben. Die Sklaverei-Kritiker sind selbst gläubige Muslime. Sie haben auch nicht den Koran verbrannt, sondern mit ihrem Protest nur auf das Fortbestehen der Sklaverei in Mauretanien aufmerksam machen wollen“, erklärte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. Mauretaniens Regierung habe bereits eine harte Bestrafung der Menschenrechtler angkündigt. Biram Dah Abeid war im Jahr 2011 mit dem Weimarer Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden.
Bei den Schriften handelt es sich nach Angaben der GfbV um religiöse Bücher der Malikiten, einer Ausprägung des sunnitischen Islam, die in Mauretanien besonders verbreitet ist. In diesen Büchern werde im Detail beschrieben, dass Sklaverei ein allseits anerkannter Bestandteil der muslimischen Gesellschaft sei. So werde darin geregelt, dass schwangeren Sklavinnen zwar die Freiheit gegeben werden kann, ihr ungeborenes Kind nach der Geburt jedoch Sklave bleibt. Auch werde darin beschrieben, wie Sklaven in die Freiheit entlassen werden können, doch einzelne Gliedmassen weiterhin im Besitz der Sklavenhalter bleiben könnten.
„Diese Schriften rechtfertigen ideologisch die Sklaverei, die als eines der schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit international geächtet ist“, erklärte Delius. „Es muss auch in einem muslimischen Staat gestattet sein, darauf öffentlich aufmerksam zu machen, selbst wenn die von den Sklaverei-Kritikern gewählte Form des Protests sicher nicht sehr geschickt ist.“
Der Zwischenfall ereignete sich laut GfbV am vergangenen Freitag am Rande einer Protestveranstaltung der Menschenrechtler gegen die Unterstützung der Sklaverei durch muslimische Gelehrte. Mehrfach hatten die Gelehrten die Menschenrechtler öffentlich beschimpft und ihnen vorgeworfen, die gegebene Gesellschaftsordnung in Mauretanien in Frage zu stellen.
„Mit der Verhaftung der Menschenrechtler am letzten Samstag spitzt sich der Konflikt um die Sklaverei weiter zu“, erklärte Delius. Rund 500.000 schwarzafrikanische Haratin würden noch immer als Sklaven in dem Land in Nordwestafrika gelten. Obwohl Sklaverei gesetzlich verboten sei, blieben Sklavenhalter straflos. So habe das Oberste Gericht am 26. März die erste Verurteilung eines Sklavenhalters wieder aufgehoben. Sie war im Herbst 2011 als großer Erfolg von den Sklaverei-Kritikern gefeiert worden.




