
„Die vier diesjährigen Preisträger heben die Grundbedingungen für globalen Frieden und Sicherheit hervor: effektiver gewaltloser Widerstand sowie die Erkenntnis, dass die Waffenindustrie Teil des Problems ist, Menschen- und insbesondere Frauenrechte und die Bewahrung unserer ökologischen Ressourcen“, sagte Ole von Uexküll.
Hayrettin Karaca erhält nach Angaben der Stiftung den nicht dotierten Ehrenpreis „für sein lebenslanges Eintreten für den Schutz der Natur, das den eigenen unternehmerischen Erfolg mit dem erfolgreichen Einsatz für die Umwelt verbindet“. Die drei anderen Preisträger teilen sich das Preisgeld in Höhe von 150.000 Euro.
Karaca gilt als der Großvater der türkischen Umweltbewegung. Der erfolgreiche Geschäftsmann und Naturschützer wurde zum führenden Pädagogen und Aktivisten für Umweltschutz in der Türkei. Die Umweltorganisation TEMA, die er mitbegründete, ist zu einer landesweit arbeitenden Bewegung geworden, die sich für den Schutz von Erdboden und natürlichen Habitaten einsetzt.
Sima Samar (Afghanistan) wurde „für ihren Mut und ihre Entschlossenheit im Kampf für Menschenrechte und die Rechte von Frauen in einer der instabilsten Regionen der Welt“ ausgezeichnet. Es ist das erste Mal, dass ein Right Livelihood Award nach Afghanistan geht.
Samar sei eine „Ärztin der Armen, eine Vorkämpferin für die Ausbildung gesellschaftlich Marginalisierter und eine Verteidigerin der Menschenrechte aller in Afghanistan“, lobte die Right Livelihood Award Stiftung. Sie habe die Shuhada-Organisation gegründet und aufgebaut, die über hundert Schulen sowie 15 Krankenhäuser und Ambulanzen betreibe, welche sich hauptsächlich der Bildung und Gesundheitsfürsorge von Frauen und Mädchen widmen. Sima Samar diente in der Übergangsregierung von Afghanistan und gründete das erste Ministerium für Frauenangelegenheiten. Seit 2004 ist sie Vorsitzende der unabhängigen Menschenrechtskommission von Afghanistan – „ein Engagement, das sie ständiger Lebensgefahr aussetzt“, wie die Stiftung anmerkt.
Der US-amerikanische Soziologe Gene Sharp wurde „für die Entwicklung und Verbreitung der Prinzipien und Strategien des gewaltlosen Widerstandes und seine aktive Unterstützung für deren praktische Umsetzung in Konfliktsituationen weltweit“ geehrt. Sharp gilt als der weltweit führende Experte für gewaltlose Revolutionen und ist mitunter als „Machiavelli der Gewaltlosigkeit“ bezeichnet worden.
Mit seinem akademischen Lebenswerk habe Sharp gewaltfreien Widerstand und „people power“ als erfolgreiche Instrumente des politischen Wandels etabliert, erklärte die Right Livelihood Award Stiftung. Sharps Schriften zu gewaltfreiem Protest würden von sozialen Bewegungen auf der ganzen Welt angewandt – vom Dschungel in Burma über die Straßen Serbiens bis hin zum Tahrir-Platz in Ägypten während des Arabischen Frühlings.
Für ihren „innovativen und effektiven Widerstand gegen den globalen Waffenhandel“ zeichnete die Jury in Stockholm die Organisation Campaign Against Arms Trade (CAAT, Großbritannien) aus. Die „Kampagne gegen Waffenhandel“ setzt sich nach Angaben der Stiftung seit 1974 unermüdlich für einen Stopp von Großbritanniens Waffenexporten ein. Dank CAAT habe das öffentliche Bewusstsein für den Waffenhandel zugenommen. Die Gruppe habe erreicht, dass britische Exportsubventionen für Waffenfirmen zurückgegangen sind und habe erfolgreich Druck auf Institutionen ausgeübt, die in waffenexportierende Unternehmen investieren, so die Jury.
„CAAT hat die Korruption, die Heuchelei und die tödlichen Folgen des Waffenhandels bloßgestellt und war entscheidend daran beteiligt, die Regierung von Großbritannien sowie Waffenfirmen für ihr Verhalten verantwortlich zu machen“, stellte die Right Livelihood Award Stiftung fest. Insbesondere habe die Kampagne BAE Systems, eine der größten Waffenfirmen der Welt, und deren unethische Geschäftsmethoden einer beispiellosen öffentlichen Prüfung unterworfen.
Die Preise werden am 7. Dezember bei einer Zeremonie im Schwedischen Reichstag verliehen. Die oft als „Alternative Nobelpreise“ bezeichneten Right Livelihood Awards wurden 1980 von Jakob von Uexküll gegründet, um „jene zu ehren und zu unterstützen, die praktische und beispielhafte Antworten zu den dringendsten Herausforderungen unserer Zeit finden und erfolgreich umsetzen“.




