Berlin. – In den letzten zehn Jahren haben insgesamt 17 Staaten die Todesstrafe ganz aus ihren Gesetzbüchern gestrichen. In 58 Staaten der Welt werden Todesurteile jedoch noch immer verhängt und vollstreckt, kritisiert Amnesty International anlässlich des Internationalen Tages gegen die Todesstrafe am 10. Oktober. 2011 wurden 680 Gefangene exekutiert, die meisten von ihnen in China, in Iran, Saudi-Arabien, Irak, den USA und im Jemen.
„Eine wachsende Zahl von Ländern lehnt die vorsätzliche Tötung durch den Staat ab und unser Ziel einer Welt ohne Todesstrafe rückt damit immer näher“, sagte Oliver Hendrich, Amnesty-Experte zur Todesstrafe, am Mittwoch in Berlin. In 58 Staaten der Welt würden Todesurteile jedoch noch immer verhängt und vollstreckt, unter anderem in Japan. Der heute 76-jährige Hakamada Iwao sitze seit 44 Jahren im Todestrakt – mehr als die Hälfte seines Lebens. Er wurde Amnesty zufolge unter Folter zur Unterzeichnung von vorbereiteten „Geständnissen“ gezwungen. Trotzdem verurteilten ihn die Richter 1968 zum Tode. Am 19. Oktober soll erneut über die Wiederaufnahme seines Verfahrens entschieden werden.
Erst Ende September seien in Japan zwei Menschen exekutiert worden, damit insgesamt sieben in diesem Jahr, so Amnesty International. Im Moment befänden sich noch 131 Personen in Todeszellen, darunter Hakamada Iwao. Sie könnten jederzeit hingerichtet werden. „Hinrichtungen werden in Japan durch den Strang vollzogen und im Geheimen ausgeführt. Die Gefangenen werden erst wenige Stunden vor der Exekution darüber informiert – in manchen Fällen gar nicht“, so Oliver Hendrich. „Ihre Familien werden in der Regel erst nach der Vollstreckung benachrichtigt.“

Auch andere Länder in Asien halten an der archaischen Strafe fest und verhängen und vollstrecken weiter Todesurteile. Allein China exekutiert jedes Jahr tausende Menschen, hält die genauen Zahlen jedoch geheim. „Es ist eine bedrückende Erkenntnis, dass 14 asiatische Länder gemeinsam für mehr Exekutionen verantwortlich sind als der Rest der Welt zusammen“, erklärte Amnesty.
Weltweit wurden – abgesehen von China – im vergangenen Jahr nach den Erkenntnissen von Amnesty International mindestens 680 (2010: 527) Gefangene exekutiert, die meisten von ihnen in Iran, Saudi-Arabien, Irak, den USA und Jemen. „Oft wurden Todesurteile nach unfairen Verfahren verhängt, die internationalen Rechtsstandards widersprechen – nicht selten auf Grundlage von ‚Geständnissen‘, die unter Folter erzwungen wurden“, so Hendrich.
Foto/Grafik: © Amnesty International




