Doha. – Zur Halbzeit der Klimaverhandlungen in Katar gibt es bei keinem der zentralen Verhandlungsthemen einen echten Fortschritt. Bei Ankunft der Umweltminister ab Montag sei deshalb unklar, ob die finanzielle Hilfe fĂŒr EntwicklungslĂ€nder erhöht wird und wie der Fahrplan fĂŒr einen globalen Klimavertrag bis 2015 aussieht, kritisierte Greenpeace. Ebenfalls unsicher sei, ob die groĂen Klimaverschmutzer China und USA ihre Emissionen bereits vor Inkrafttreten des Abkommens im Jahr 2020 stĂ€rker reduzieren.
Staaten wie die USA, Japan, Russland, Kanada und Neuseeland kehrten dem Kyoto-Protokoll den RĂŒcken und schienen zu keinen neuen ZugestĂ€ndnissen bereit, erklĂ€rte Greenpeace. „In der kommenden Woche muss die Regierung Merkel Farbe beim Klimaschutz bekennen und die FĂŒhrungsrolle Europas zurĂŒckgewinnenâ, sagte Martin Kaiser, Leiter Internationale Klimapolitik, der in Doha die Konferenz verfolgt. Die EU sei durch den internen Streit mit Polen um die Ausgestaltung des Kyoto-Folgeabkommens völlig gelĂ€hmt.
Umweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte angekĂŒndigt, dass er in Doha die FĂŒhrungsrolle Europas wiederbeleben wolle. Deshalb werde er notfalls auch ohne Polen eine VerschĂ€rfung des europĂ€ischen CO2-Einsparziels von 20 auf 30 Prozent anstreben. Dies wĂŒrde den Handlungsdruck auf USA, China und Russland erhöhen, doch bisher sei davon nichts zu sehen, so Greenpeace.
„Der AnkĂŒndigung von Minister Altmaier mĂŒssen in der kommenden Woche Taten folgen“, sagte Kaiser. „Die EU muss in Katar ankĂŒndigen, dass sie ihr Klimaziel erhöhen und nicht zulassen wird, dass das Kyoto-Protokoll aufgeweicht wird.“ Die EU habe ihr Ziel, im Jahr 2020 zwanzig Prozent weniger CO2 als 1990 auszustoĂen, bereits 2011 erreicht, sich bisher jedoch nicht zu einer Steigerung durchgerungen.
Das Kyoto-Protokoll lĂ€uft Ende des Jahres aus. Bei den Verhandlungen zu einem Nachfolgeabkommen muss geklĂ€rt werden, ob ĂŒberschĂŒssige Emissionszertifikate aus der Periode 2008-2012 auch nach dem Jahr 2012 genutzt werden dĂŒrfen. Daran sind vor allem die osteuropĂ€ischen Staaten sowie Ukraine und Russland interessiert, die noch ĂŒber groĂe Mengen an Verschmutzungsrechten verfĂŒgen.
WĂŒrden diese CO2-Gutschriften weiter gehandelt, so Greenpeace, gelangten 13 Milliarden Tonnen klimaschĂ€dliches CO2 in die AtmosphĂ€re. Das entspreche den gesamten EU-Emissionen von drei Jahren. Damit wĂ€re das Kyoto-Protokoll praktisch wirkungslos und auch ein höheres EU-Klimaziel nicht zu erreichen. Neben Polen agiert auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) gegen die nötige Reform des Emissionshandels.
„Es ist ein Skandal, dass Minister Rösler die Blockadehaltung Polens de facto unterstĂŒtzt“, betonte Kaiser. „Die Kanzlerin muss ihren Wirtschaftsminister in die Schranken weisen und dem Umweltminister in Katar ein klares Verhandlungsmandat fĂŒr mehr Klimaschutz geben.“




