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Mursi soll Menschen- und Organhandel im Sinai stoppen

pro asyl 100Berlin. – Auf der ägyptischen Halbinsel Sinai sind bereits tausende Flüchtlinge Opfer krimineller Organisationen geworden, zu deren Geschäft Menschenhandel, Lösegelderpressung und Organhandel gehören. Pro Asyl hat den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi anlässlich seines Staatsbesuches am Mittwoch in Berlin aufgefordert, diesen Verbrechen endlich einen Riegel vorzuschieben und die entführten Flüchtlinge zu befreien.

Die ägyptische Polizei müsse zudem die Praxis der Inhaftierung von Schutzsuchenden in Polizeiwachen und Gefängnissen auf der Sinai-Halbinsel und in Oberägypten beenden, forderte Pro Asyl.

Flüchtlinge im Sinai werden nach Angaben der Hilfsorganisation von Menschenhändlern entführt, gefoltert, vergewaltigt und nicht selten getötet. Hauptgeschäft der Täter ist die Lösegelderpressung. Sie nehmen ihren Opfern Telefonnummern ihrer im Ausland lebenden Angehörigen ab, rufen sie an und foltern während des Anrufs ihre Opfer, sodass die Angehörigen durch die Schreie bewegt werden, ihren Forderungen nachzukommen. Die Lösegeldforderungen liegen  zwischen 5.000 und 40.000 US-Dollar. Diese Praxis ist unter anderem durch Berichte von Human Rights Watch und der Schweizerischen Flüchtlingshilfe dokumentiert.

Werden die Entführten nicht freigekauft, droht ihnen unter anderem die Entnahme von Organen. Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage liegen der Bundesregierung Hinweise vor, „wonach im Zeitraum 2010 bis 2011 ein Beduinenstamm im Nord-Sinai Migranten aus dem Bereich Subsahara entführt und ihnen Organe zum Weiterverkauf an ägyptische Krankenhäuser entnommen habe“. Etwa 200 bis 250 Personen sollen Opfer dieser Praxis geworden sein, nicht wenige seien durch die Eingriffe zu Tode gekommen.

Bei den Opfern handelt es sich Pro Asyl zufolge vor allem um Flüchtlinge aus Eritrea, dem Sudan und Äthiopien. Seit die Fluchtroute über Libyen durch die Kooperation der EU mit dem Gaddafi-Regime und später durch den libyschen Bürgerkrieg schwieriger geworden ist, versuchen Schutzsuchende aus diesen Staaten vermehrt über die Sinai-Halbinsel nach Israel zu gelangen. Einer Entschließung des Europäischen Parlaments vom 15. März 2012 zur Folge sind es Tausende, die es nicht bis nach Israel schaffen, sondern im Sinai umkommen.

Obwohl die Standorte der Lager, in denen die Flüchtlinge festgehalten werden, zum Teil bekannt sind, gebe es kaum Berichte über Polizeiaktionen gegen die Menschenhändler, so Pro Asyl. Stattdessen würden die ägyptischen Sicherheitsbehörden gegen Schutzsuchende vorgehen. Sie würden in Ägypten unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert.

www.proasyl.de

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