
„Kinder zum Kämpfen und Töten im Krieg zu missbrauchen, ist eine verabscheuungswürdige Menschenrechtsverletzung“, sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP). „Auch die aktuellen Berichte aus Mali sind beunruhigend. Kindersoldaten werden durch ihre Erfahrungen stark traumatisiert und leiden unter den seelischen und körperlichen Folgen oft ein Leben lang. Die Situation von Mädchen ist dabei besonders grausam, denn sie werden in den Armeen und Rebellengruppen häufig Opfer sexueller Gewalt.“
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat sich zum Ziel gesetzt, ehemaligen Kindersoldaten zu helfen, ihren Weg in ein normales Leben zu finden und eine Zukunftsperspektive zu schaffen. Aktuell unterstützt das BMZ beispielsweise in der Demokratischen Republik Kongo das nationale Demobilisierungs- und Reintegrationsprogramm: Berufliche Grundausbildung, beschäftigungsintensive Infrastrukturmaßnahmen und der Landwirtschaftssektor ermöglichen Flüchtlingen und ehemaligen Kämpfern, in das zivile Leben zurückzukehren. Mittlerweile konnten nach BMZ-Angaben so rund 3.000 Kindersoldaten alphabetisiert werden. Durch die verschiedenen Aktivitäten werden lokale Wirtschaftskreisläufe angekurbelt und Einkommen generiert, die als sichtbare Friedensdividende für eine positive Zukunftsperspektive dienen.
Plan International Deutschland forderte die Bundesregierung auf, sich noch stärker für den Schutz von Kindern und Jugendlichen in Kriegs- und Krisengebieten einzusetzen. Mit rund 28.000 gesammelten roten Handabdrucken setzt das Kinderhilfswerk am internationalen Aktionstag bundesweit ein Zeichen gegen die Rekrutierung von Mädchen und Jungen in bewaffneten Konflikten. Die „Rote Hand“ ist das Symbol, Nein zu sagen zum Einsatz von Kindern als Soldaten – und ist seit acht Jahren die zentrale Aktion des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten, dem Plan angehört.
„Das Recht der Mädchen und Jungen auf Schutz vor Gewalt sowie die Betreuung der Kinder, die in bewaffneten Konflikten eingesetzt und missbraucht wurden, sind uns ein besonderes Anliegen“, sagte Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan Deutschland. „So haben wir aufgrund der schweren Kämpfe im Norden Malis geschützte Räume für Flüchtlingskinder eingerichtet, in denen wir traumatisierten Mädchen und Jungen mittels psychosozialer Betreuung helfen, wieder zurück in den Alltag zu finden.“
„Den Einsatz von Kindersoldaten zu stoppen ist nur einer von vielen zwingenden Gründen einen starken Waffenhandelskontrollvertrag abzuschließen“, erklärte Amnesty International. Die Verhandlungen über striktere Kontrollen des globalen Waffenhandels („Arms Trade Treaty“, ATT) werden im März in New York fortgesetzt.
„Überwältigend viele Staaten sprechen sich gegen den Einsatz von Kindersoldaten (Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren) in bewaffneten
Streitkräften aus. Dennoch ist der Einsatz von Kindersoldaten in derzeit 19 Ländern bekannt“, mahnte Amnesty.
Die Kindernothilfe berichtete, Kindersoldaten fungierten oft als Boten, Spione oder Träger, sie müssten Sprengsätze anbringen und lernen, mit Waffen umzugehen. Vielfach kämpften sie auch. „Unter den Folgen der körperlichen und seelischen Grausamkeiten leiden die betroffenen Kinder meist ein Leben lang“, sagte Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe.
„Jungen und Mädchen werden oft deshalb als Soldaten benutzt, weil sie gefügiger sind als Erwachsene und besser zum Töten erzogen werden können“, so Weber. Oft geschehe dies unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol.
Auch in Deutschland gibt es offenbar Handlungsbedarf. So kommen nach Schätzungen von Fachkreisen rund 100 bis 200 ehemalige Kindersoldaten pro Jahr als Flüchtlinge schwer traumatisiert nach Deutschland. „Vielfach wird den Kindern nicht geglaubt, dass sie aus Angst vor einer Rekrutierung geflohen sind. Der Missbrauch als Kindersoldat muss als Fluchtgrund anerkannt werden“, forderte Weber. Auch bei der Betreuung und Unterbringung Minderjähriger gebe es gravierende Mängel. Insgesamt müsse das Asylverfahren kindgerechter werden.




