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Ohnmächtige Näherinnen „werben“ für H&M

cccBerlin. – Die Kampagne für Saubere Kleidung und INKOTA haben die vergangene Woche lancierte H&M-Werbekampagne „Conscious Collection“ kritisiert. Die „Adbusting-Aktion“ begann am Montag unter dem Titel „Unconscious Collapses“. Ziel ist es, auf die „miserablen Arbeitsbedingungen und die viel zu geringe Entlohnung“ der ArbeiterInnen in asiatischen Textilfabriken hinzuweisen, in denen H&M seine Kleidung produzieren lässt.

Allein in Kambodscha sind nach Angaben der Kampagne seit 2010 aufgrund von Mangelernährung infolge zu niedriger Löhne mehr als 2.400 Näherinnen am Arbeitsplatz kollabiert – mehrere Hundert von ihnen in H&M-Zulieferbetrieben. Die Kampagne für Saubere Kleidung und INKOTA forderten H&M  deshalb auf, endlich existenzsichernde Löhne an seine ArbeiterInnen zu zahlen. Die kritische Öffentlichkeit und KonsumentInnen könnten sich per Online-Petition an den Branchenleader H&M und andere Modekonzerne richten, und damit den Druck auf die Unternehmen erhöhen.

„Aus unserer Sicht grenzt es an Zynismus von einer bewussten Modekollektion zu sprechen, während diejenigen, die die Kleidung nähen, reihenweise in Ohnmacht fallen“, sagte INKOTA-Vorstandsmitglied Axel Schröder. H&M-Chef Karl-Johann Persson hingegen preise die neue Kollektion damit an, dass sie dem gesteigerten Interesse der KundInnen an Nachhaltigkeit Rechnung trage und mit Rücksicht auf Mensch und Umwelt hergestellt werde. „Die Arbeitsbedingungen in den asiatischen Zulieferbetrieben blendet Persson dabei offensichtlich komplett aus“, so Schröder.

Mit einem Umsatz von rund 16,3 Milliarden Euro und über zwei Mrd. Euro Gewinn (im Jahr 2012) stehe H&M besonders in der Pflicht, seinen ArbeiterInnen in Asien endlich einen existenzsichernden Lohn zu zahlen, damit sie und ihre Familien wenigstens genug zu essen haben, betonte die Kampagne. „Eine Verpflichtung des Branchenprimus zu Existenzlöhnen hätte Signalwirkung für die gesamte Industrie“, sagte Schröder.

In Kambodscha kämpften Gewerkschaften erst kürzlich für eine Anhebung des monatlichen Mindestlohns von bislang 61 Dollar auf 150 Dollar. Am 21. März wurde daraufhin der neue staatliche Mindestlohn von 75 Dollar bekannt gegeben. Laut Schätzung der Asia Floor Wage Alliance bräuchten eine kambodschanische Näherin und ihre Familie zur Existenzsicherung jedoch 274 Dollar – fast das Vierfache des neuen Mindestlohns. Zudem verliere dieser durch die jährliche Inflation ständig weiter an realem Wert.

„Wie die Unternehmen Gap, Levis und Zara gehört H&M zu den Hauptauftraggebern von Kambodschas boomender Textilindustrie“, erklärte die Kampagne. „Diese Konzerne haben es in der Hand, die Arbeits- und Lebenssituation der dortigen Näherinnen endlich zu verbessern.“

http://www.cleanclothes.org
http://www.inkota.de

 

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