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Bangladesch: Eingestürzte Textilfabriken lieferten an deutsche Firmen

cccBerlin. – Am Unglücksort der fünf eingestürzten Textilfabriken in Bangladesch sind zahlreiche KiK-Textilien in den Trümmern gefunden worden. „Wir sind schockiert – es zeichnet sich ab, dass KiK innerhalb von nur acht Monaten ein drittes Mal in ein schweres Unglück in einer Textilfabrik involviert ist“, sagte Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung.

Bisher hat nach Angaben der Kampagne nur eine Firma in Deutschland bestätigt, bis vor Kurzem Lieferbeziehungen in die Fabriken gehabt zu haben: Der Textildiscounter NKD habe angegeben, bis zum Herbst letzten Jahres von der Fabrik Phantom Apparels Ware bezogen zu haben. Auch für den deutschen Markt wichtige Firmen wie Benetton, Mango oder Primark hätten in den Fabriken produzieren lassen.

Auf die beteiligten Unternehmen kommt nach Angaben der Kampagne für Saubere Kleidung die Zahlung einer Entschädigungssumme von geschätzten 30 Millionen US-Dollar plus Nothilfebehandlungen zu. Alle beteiligten Unternehmen seien aufgerufen, umgehend mit den Gewerkschaften in Bangladesch in Kontakt zu treten, um die nächsten Schritte zu besprechen sowie die Nothilfeversorgung zu unterstützen.

Alle betroffenen Unternehmen müssten Kompensationen für die Opfer bereitstellen, forderte die Kampagne für Saubere Kleidung. Diese gelte es entlang bereits entwickelter Standards mit den bangladeschischen Gewerkschaften und der internationalen Gewerkschaftsvereinigung IndustriALL schnellstmöglich auszuhandeln.

Das Unglück in dem Gebäude Rana Plaza, bei den mehr als 1100 Menschen starben, macht aus der Sicht der Kampagne erneut deutlich, wie unzureichend private soziale Auditierungen sind. Zwei der Fabriken seien im Auftrag der Business Social Compliance Initiative (BSCI) auditiert worden, in der über 1.000 große Unternehmen Mitglied sind, wie z.B. Otto, Aldi und Lidl. Auch der TÜV Rheinland habe eine der Fabriken in dem Hochhaus vier Mal in den Jahren 2011 und 2012 geprüft und keine Baumängel festgestellt. „Dies zeigt, wie oberflächlich Audits durchgeführt werden, teilweise werden AuditorInnen sogar bestochen“, kritisierte Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung.

„Um weitere Unglücke zu vermeiden, ist es dringend nötig, dass die Unternehmen endlich das verbindliche Abkommen zum Gebäude- und Brandschutz unterzeichnen, das schon vor zwei Jahren von lokalen und internationalen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen in Bangladesch erarbeitet worden ist und das bisher nur PVH (Tommy Hilfiger und Calvin Klein) und Tchibo unterzeichnet haben“, so Burckhardt weiter.

„Andere Unternehmen wurden ebenfalls aufgefordert, das Abkommen zu unterstützen; aber sie wollen nicht unterschreiben und reden sich mit eigenen Verbesserungsmaßnahmen heraus. Dass diese nicht wirken, zeigt sich ja jetzt angesichts der erneuten Katastrophe“, sagte Kirsten Clodius, Referentin der Kampagne für Saubere Kleidung. Das Abkommen sieht unter anderem unabhängige Gebäudeinspektionen, Trainings zu Arbeitsrechten, öffentliche Auskunftspflicht und eine Überarbeitung der Sicherheitsstandards vor.

www.saubere-kleidung.de

 

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