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Libyen: 35.000 Flüchtlinge wollen heimkehren

gfbvGöttingen. – Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat besonderen Schutz für die 35.000 rückkehrwilligen Kriegsflüchtlinge aus der Stadt Tawergha in Libyen gefordert. Sie hatten während des Bürgerkriegs im August 2011 vor rassistisch motivierter Gewalt der Milizen fliehen müssen. Die Flüchtlinge sind schwarzafrikanischer Abstammung und haben für den 25. Juni die Rückkehr in ihre Heimatstadt angekündigt.

Unmittelbar nach dem Sturz von Muammar Gaddafi hatten Milizen den Bewohnern von Tawergha pauschal vorgeworfen, den Diktator unterstützt zu haben und regelrecht Jagd auf sie gemacht, so die GfbV. Wieviele Schwarzafrikaner bei der Vertreibung getötet wurden, sei nicht bekannt. Die Milizen seien jedoch äußerst brutal vorgegangen. Rund 1.300 Einwohner der Stadt seien verschleppt worden.

„Die Heimkehr der Flüchtlinge sollte von Mitarbeitern des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) begleitet werden“, erklärte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius in Göttingen. „Besonders wichtig ist, dass auch in den Wochen nach ihrer Rückkehr ein besonderer Schutz in Tawergha gewährleistet wird.“

Der Menschenrechtler forderte außerdem die Aufklärung des Schicksals der Verschleppten oder Verhafteten. Sie würden bis heute meist von Milizen in nicht-offiziellen Gefängnissen festgehalten: „Den Verschleppten muss entweder ein fairer Gerichtsprozess gemacht oder sie müssen unverzüglich freigelassen werden.“

Die Debatte um die Rolle der Bewohner Tawerghas im Bürgerkrieg wurde durch den Fund eines Massengrabs im Mai 2013 in der Geisterstadt angeheizt. In dem Grab waren elf Personen – vermutlich Milizionäre – verscharrt, die an den Händen gefesselt worden waren. Milizionäre gehen davon aus, dass Schergen des Gaddafi-Regimes aus Tawergha für die Morde verantwortlich sind.

Libyens Regierung fürchtet, die Rückkehr könne neue Gewalt nicht nur gegen die Mörder, sondern pauschal gegen alle Einwohner Tawerghas schüren. Vor allem in der benachbarten und verfeindeten Stadt Misrata, die besonders engagiert das Gaddafi-Regime bekämpft hat, stößt die geplante Heimkehr auch bei Behördenvertretern auf offene Ablehnung.

Die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Tawergha sind aus der Sicht der GfbV eines der düstersten Kapitel des Libyen-Krieges. Die pogromartigen Übergriffe gegen die schwarzafrikanischen Libyer machten weltweit Schlagzeilen. Doch 22 Monate nach ihrer Flucht seien die Leidensgeschichten dieser Opfer des Rassismus der Sieger im libyschen Machtkampf vergessen. Dabei sei es auch nach ihrer Flucht zu weiteren Übergriffen gekommen. Immer wieder seien ihre Flüchtlingslager von Milizionären angegriffen worden. Bei einer Attacke auf das Camp in Janzur seien im Februar 2012 sieben Flüchtlinge getötet worden, darunter drei Kinder. Als am 19. Mai 2013 Dutzende Bewohner Tawerghas in der Hauptstadt Tripolis für ihre Heimkehr demonstrierten, hätten Unbekannte das Feuer auf die Demonstranten eröffnet und eine Person verletzt.

www.gfbv.de

 

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