
Am vergangenen Samstag habee ein Gericht in Assiut den koptischen Rechtsanwalt Romani Mourad Saad wegen „Beleidigung des Islam“ zu einem Jahr Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt, berichtete die GfbV. Ihm sei vorgeworfen worden, im Mai 2012 auf der Facebook-Seite seines Rechtsanwaltsvereins bei einem Streit mit einem islamistischen Juristen über die Präsidentschaftswahlen den Islam beleidigt zu haben. Außerdem hätten Zeugen behauptet, Mourad habe sich in einer Bibliothek des Vereins abfällig über den Islam geäußert. Obwohl die Zeugen ihre Aussagen nicht glaubhaft machen konnten und das Gericht den Ermittlungsbehörden mehrfach schlampige Arbeit vorgeworfen hatte, erging das Urteil gegen Mourad in Abwesenheit.
„Bei Blasphemie-Verfahren hört jede Rechtsstaatlichkeit auf“, warnte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. „Denn angesichts des massiven Drucks von muslimischen Extremisten sehen sich viele Richter nicht mehr dazu in der Lage, die Vorwürfe unbefangen zu untersuchen.“ Fünfzehn ägyptische Menschenrechtsorganisationen haben nach Angaben der GfbV gegen das jüngste Urteil von Assiut protestiert.
Vor allem Lehrerinnen und Lehrer seien dem Vorwurf der Blasphemie ausgesetzt, so die GfbV. Anfang Mai 2013 sei die Lehrerin Demyana Emad wegen angeblicher Blasphemie inhaftiert worden. Die 23 Jahre alte Koptin sei von Schülerinnen und deren Eltern angezeigt worden. Sie werde weiter in Haft gehalten, obwohl Menschenrechtsorganisationen ihre Freilassung gefordert hatten.




