Genf. – Auf 10,5 Millionen schätzt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) die Zahl der Kinder weltweit, die als Hausanstellte arbeiten müssen – oftmals unter gefährlichen oder gar sklavenähnlichen Bedingungen. In ihrem neuen Bericht, der anlässlich des Welttags zur Abschaffung der Kinderarbeit am 12. Juni erscheint, geht die ILO davon aus, dass 6,5 Millionen dieser Kinderarbeiter unter 15 Jahre alt sind. 71 Prozent von ihnen sind Mädchen.
Laut dem Bericht verrichten Kinder in fremden Haushalten Arbeiten wie Putzen, Bügeln, Kochen, Gärtnern und Wasserholen, und sie kümmern sich um andere Kinder oder Pflegebedürftige. Sie sind dabei meist isoliert von ihren eigenen Familien und der Öffentlichkeit und befinden sich daher in starker Abhängigkeit von ihrem Arbeitgeber. Dies macht sie äußerst verwundbar für ausbeuterische Arbeitsbedingungen, für psychische, physische und sexuelle Gewalt. Letztlich droht so aus einer Arbeitsausbeutung häufig auch eine sexuelle Ausbeutung zu werden.
„Die Situation vieler Kinder, die als Hausangestellte arbeiten, ist nicht nur eine massive Menschenrechtsverletzung der Kinder. Sie trägt auch dazu bei, dass Staaten viele nationale und internationale Entwicklungsziele verfehlen“, erklärt Constance Thomas, Direktorin des ILO-Programms zur Abschaffung der Kinderarbeit, IPEC. „Wir brauchen einen tragfähigen Gesetzesrahmen zur Identifikation, Prävention und Abschaffung der Kinderarbeit in Privathaushalten.“
In vielen Ländern wird es laut ILO gar nicht als Kinderarbeit wahrgenommen, wenn Kinder als Hausangestellte arbeiten. Die Kinder arbeiten, aber werden weder als Arbeitnehmer betrachtet noch sind sie ein Familienmitglied. Diese Lücke in der Wahrnehmung wie auch in der Gesetzgebung verschleiere die ausbeuterische Arbeitsbeziehung, die durch lange Arbeitszeiten, Fehlen von persönlichen Freiheiten und häufig auch gefährlichen Arbeitsbedingungen gekennzeichnet sei. Der Schutz der Privatsphäre der Arbeitgeber mache den Schutz der Kinder umso schwerer.
Die ILO schlägt bessere statistische Erhebungen vor, um das wahre Ausmaß des Problems zu erkennen. Darüber hinaus fordert sie die Mitgliedstaaten auf, die relevanten ILO-Konventionen gegen Kinderarbeit zu ratifizieren und umzusetzen.




