
„Die brutale Reaktion der Sicherheitskräfte war völlig unangemessen: Sie machten offensichtlich keinen Unterschied zwischen gewalttätigen und gewaltlosen Demonstrierenden. Die Gewalt traf selbst unbeteiligte Zuschauer“, erklärte Selmin Çalıskan, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. „Besonders schockierend ist der Einsatz scharfer Munition gegen Zivilisten.“
Allein bei der gewaltsamen Auflösung der Pro-Mursi Sit-ins am 14. August, dem blutigsten Tag seit Beginn der Revolution, seien mehr als 600 Menschen getötet worden. Versprechen, die Demonstrierenden rechtzeitig und ausreichend zu warnen, so Amnesty, seien nicht eingehalten worden. Auch Verletzte hätten die Plätze nicht, wie angekündigt, sicher verlassen können, um medizinische Versorgung zu erhalten.
Das Amnesty-Team besuchte in der vergangenen Woche zahlreiche Krankenhäuser und Leichenhallen in Kairo. Berichte durch das Personal belegten, wie häufig tödliche Schüsse gezielt auf Kopf und Brust abgegeben worden seien, berichte die Organisation. Die Sicherheitskräfte seien auch in Krankenhäuser eingedrungen. Dabei sei es zu Übergriffen auf das medizinische Personal gekommen.
„Das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte in den vergangenen Tagen muss sofort umfassend und unabhängig untersucht werden. Bisherige Menschenrechtsverletzungen von Sicherheitskräften wurden von den ägyptischen Behörden nur unzureichend verfolgt. Daher fordern wir, dass der UN-Sonderberichterstatter für außergerichtliche, summarische und willkürliche Hinrichtungen ins Land gelassen wird“, sagte Selmin Çalıskan. Angesichts der jüngsten alarmierenden Angriffe auf koptische Christen forderte Amnesty die ägyptischen Behörden außerdem dazu auf, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um den Schutz von Christen und anderen Minderheiten zu gewährleisten.




