

Der 67-jährige Paul Walker ist nach Angaben der Jury mit dafür verantwortlich, dass 55.000 Tonnen chemische Waffen aus nationalen Arsenalen sicher und nachweislich zerstört worden sind. Die Right Livelihod Foundation sieht den durch diplomatischen Druck hervorgerufenen Beitritt Syriens zur Chemiewaffen-Konvention (CWK) von 1997 auch als Resultat der Bemühungen Walkers. Die letzten Staaten, die das Abkommen bisher nicht unterzeichnet haben, sind jetzt Angola, Ägypten, Israel, Myanmar, Nordkorea und der Süd-Sudan. (Foto: © OPCW/Right Livelihod Foundation)

Raji Sourani ist Gründer und Leiter der MISEREOR-Partnerorganisation „Palestinian Center for Human Rights“ (PCHR). Das katholische Entwicklungshilfswerk fördert die Arbeit des PCHR mit Sitz in Gaza seit Jahren. „Wir arbeiten mit der Organisation sehr gut zusammen“, lobte Maria Haarmann, Länderreferentin bei MISEREOR.
Das 1995 von palästinensischen Menschenrechtsaktivisten in Gaza gegründete PCHR setzt sich für die Menschenrechte aller Bevölkerungsgruppen ein. PCHR untersucht Menschenrechtsverletzungen in den Palästinensischen Gebieten, macht sie öffentlich und verhilft den Opfern zu rechtlicher Vertretung. Besonders profitieren von dieser Arbeit Frauen, die häufig doppelt betroffen sind – als Opfer von politischer Gewalt und Besatzung und als Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft.
„Die Menschenrechte sind in der Westbank und im Gazastreifen in vielerlei Hinsicht unter Druck“, sagte Maria Haarmann. „Einerseits besteht die israelische Blockade des Gazastreifens – eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde – mit ihren zahlreichen Verletzungen des Humanitären Völkerrechtes fort. Doch auch die Palästinensische Behörde ebenso wie die im Gazastreifen faktisch regierende Hamas-Verwaltung verstoßen gegen Menschenrechte, sowohl die bürgerlich-politischen wie gegen wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Das Palestinian Center for Human Rights setzt sich für alle Betroffenen gleichermaßen ein.“ (Foto: © Tom Knutson/Right Livelihod Foundation)

Der langjährige Partner des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm) überlebte vor einem Jahr ein Attentat. In der Region Süd-Kivu, die er betreut und die seit Jahrzehnten von bewaffneten Konflikten erschüttert wird, leiden viele Frauen unter den zahllosen, systematischen Vergewaltigungen, die als Kriegswaffe eingesetzt werden. Sie werden oft von ihren Familien verstoßen, weil sie als von den Feinden verunreinigt betrachtet werden.
Als Gründer und Chefarzt des Panzi-Krankenhauses in Bukavu haben der 58-jährige Dr. Mukwege und seine Mitarbeiter bereits knapp 40.000 Vergewaltigungsopfer medizinisch betreut und dabei Erfahrung in der Behandlung gravierender, gynäkologischer Verletzungen und Komplikationen gesammelt. Inzwischen hat das Panzi-Krankenhaus, das über 398 Angestellte und 450 Betten verfügt, ein umfassendes Programm für die Betroffenen entwickelt, wo sie physische, psychosoziale und auch rechtliche Betreuung bekommen. Patientinnen, die sich die Behandlung nicht leisten können, werden umsonst behandelt.
„Aber es geht noch um viel mehr“, sagt Difäm-Direktorin Dr. Gisela Schneider, die Denis Mukwege erst vor wenigen Wochen im Ostkongo besuchte. „Die Lebensbedingungen der Menschen müssen sich ändern, das Land braucht Frieden und freien Zugang zu ihren Ressourcen, damit die Menschen in Würde leben können.“ Das Difäm begleitet und unterstützt seit zehn Jahren die medizinische Arbeit des Panzi-Krankenhauses durch Projekthilfen, Weiterbildungen und Beratung vor Ort. (Foto: © Stina Berge/Right Livelihod Foundation)

Die Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch gratulierte Herren zu dieser Anerkennung seiner „bahnbrechenden Arbeit“. „Wir freuen uns über diese sehr angemessene und weitsichtige Entscheidung. Hans Herren hat mit seiner Forschung und seiner biologischen Schädlingsbekämpfung in Afrika vielen Millionen Menschen das Leben gerettet“, sagte Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch.
Als einer der führenden Autoren des Weltagrarberichts habe Herren richtungsweisende Vorschläge zur nachhaltigen Umorientierung des landwirtschaftlichen Sektors auf den Weg gebracht. Zudem habe er mit seiner Stiftung Biovision und weiterem Engagement sehr viel für die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft und biologischer Schädlingsbekämpfung insbesondere in Afrika getan. (Foto: © Peter Lüthi/Right Livelihod Foundation)
VISION, MUT UND ENGAGEMENT
Die Träger der diesjährigen „Alternativen Nobelpreise“ 2013 (offiziell: Right Livelihood Awards) wurden auf einer Pressekonferenz in Stockholm von Ole von Uexküll, Geschäftsführer der Right Livelihood Award Stiftung, sowie den Vorstandsmitgliedern Juliane Kronen und Marianne Andersson verkündet.
„Die Gruppe der diesjährigen Preisträger steht für die Sicherung der Grundlagen menschlichen Lebens“, sagte von Uexküll. „Die Preisträger zeigen, dass wir das Wissen und die Werkzeuge haben, um Massenvernichtungswaffen zu zerstören, Respekt für Menschenrechte zu sichern, um den Krieg gegen Frauen im Ostkongo zu beenden und die Welt mit organischer Landwirtschaft zu ernähren. Die Welt sollte nicht mit Problemen leben, von denen wir wissen, wie wir sie lösen können. Diese vier Männer, deren Vision, Mut und Engagement wir heute auszeichnen, zeigen, wie diese Lösungen aussehen.“
Die oft als „Alternative Nobelpreise“ bezeichneten Right Livelihood Awards wurden 1980 von Jakob von Uexküll gegründet, um „jene zu ehren und zu unterstützen, die praktische und beispielhafte Antworten zu den dringendsten Herausforderungen unserer Zeit finden und erfolgreich umsetzen“. Heute wird der Preis von privaten Spendern finanziert. Die Preisverleihung findet traditionell im Schwedischen Reichstag mit Unterstützung von Parlamentariern aus allen etablierten Parteien statt.
94 Kandidaten aus 48 Ländern waren dieses Jahr für den Preis vorgeschlagen. Mit den Preisträgern von 2013 zählt die Right Livelihood Award Stiftung nun 153 Preisträger aus 64 Ländern.
„Die diesjährigen Träger des Alternativen Nobelpreises haben sich für eine friedlichere und gerechtere Welt mit weniger Waffen und mehr ökologischer Vielfalt eingesetzt. Ihr Wirken macht diese Welt für Zehntausende Menschen, die von Not, Elend und Drangsal betroffen sind, täglich ein kleines Stück besser. Sie sind alle vier des Alternativen Nobelpreises mehr als würdig“, erklärte Annette Groth, menschenrechtspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag.
Foto: © Right Livelihod Foundation / Knutson,
Ausführlichere Informationen: http://www.rightlivelihood.org




