worldbank report voices agency 2014Washington D.C. - Die Weltbank hat im September diesen Jahres ihren Bericht "Voice and Agency: Empowering women and girls for shared prosperity" den G20 vorgestellt. Dies ist nach Angaben von Action Aid ein wichtiger Bericht, der erkennt, dass es bei der Stärkung von Frauen um mehr geht als nur den Zugang zu Einkommen oder Waren und Dienstleistungen. Dennoch gibt es Kritik.

Der Bericht weist darauf hin, dass trotz der Fortschritte in der Bildung von Mädchen und der politischen Beteiligung von Frauen, Armut und soziale Normen, Frauen nach wie vor daran hindern gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Kurz zusammengefasst: "Women´s voices and agency must underpin all development efforts, the report argues that, if we are to tackle gender inequality, extreme poverty and boost prosperity for all, girls and women must be able to make and act on their decisions – including the ability to decide if, when and whom to marry – and participate fully and equally in society."

Die Entwicklungsdatenbank Eldis erklärte die Motivation der Weltbank so: "Increasing women’s voice and agency is a valuable end in its own right. and it underpins the achievement of the World Bank Group’s twin goals of eliminating extreme poverty and boosting shared prosperity for girls and boys, women and men, around the world."

Basierend auf der Analyse von Women, Business and the Law zeigt der Bericht unter anderem, wie Einschränkungen in sexuellen und reproduktiven Rechten dazu führen, dass Frauen weitere Chancen verwehrt bleiben. Es wird verhindert, dass Mädchen und Frauen Entscheidungen über Schwangerschaft und Heiraten treffen. Das hat auch Auswirkungen auf andere Lebensentscheidungen und Chancen, aber auch auf das Machtverhältnis innerhalb und außerhalb des Hauses. Der Bericht zeigt wie Frauen Mehrfachdiskriminierung ausgesetzt sind, basierend auf Herkunft, Klasse und Kaste. Frauen haben weniger Kontrolle über Ressourcen und Geld und sind Kinderehe und Gewalt ausgesetzt. Frauen, die nur eine Grundschulbildung oder weniger haben sind mit hoher Wahrscheinlichkeit mehreren Benachteiligungen ausgesetzt.

Die Weltbank hat zusammen mit dem Internationale Währungsfonds (IMF), OECD und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ihre Ergebnisse zu Diskriminierung von Frauen Mitte September den G20 Arbeitsministern beim diesjährigen Treffen in Melbourne vorgestellt. Die G20 Staaten zeigen sich besorgt über den Mangel an erforderlicher Arbeitskraft, um die selbst gesetzten Wachstumsziele zu erreichen. Da sich Geschlechterdiskriminierung auf die Arbeitsproduktivität auswirkt interessieren sich auch die G20 Staaten für das Problem und vor allem für Lösungen. Die Studie bestätigt die "kulturelle Barrieren", um die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt und im öffentlichen Leben und die Wichtigkeit traditionelle Geschlechterrollen im Bildungssektor und auf dem Arbeitsmarkt zu hinterfragen. Die G20-Arbeitsminister Erklärung verpflichtet sich dazu, sich der politischen Prioritäten um die Hindernisse auszuräumen, anzunehmen.

Aber Daphne Jayasinghe, Frauenrechtsberaterin bei der Entwicklungsorganisation Action Aid kritisiert zu Recht, dass die Weltbank in dem Bericht nicht darauf eingeht, dass die marktorientierte Wachstumsagenda Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern verschärft. So werden Frauen eher in den Niedriglohnsektor und unsicherere Arbeitsverhältnisse gedrängt. Es ist kein Zufall, dass sich das Machtverhältnis der Geschlechter im Haushalt auf dem Arbeitsmarkt wiederfindet. Arbeitgeber verlassen sich auf diese Ungleichheiten um Frauen als Arbeitskräfte zu rekrutieren, die bereit sind gleichen Lohn und Arbeitsrechte für flexible Arbeitsstunden einzutauschen, damit sie neben der Lohnarbeit ihre Familien versorgen können. "Das Patriarchat ist allgegenwärtig und resistent gegen Veränderungen. Es braucht mehr als ein Engagement für Erwerbsbeteiligung von Frauen um das zu ändern" so Jayasinghe.

Während es lobenswert ist Erwerbsbeteiligung von Frauen zu den Tagesordnungen der G20 und internationalen Organisationen hinzuzufügen, reicht das noch lange nicht aus. Geschlechterungleichheit hat Auswirkungen über die wirtschaftlichen Agenden der G20 Volkswirtschaften und der internationalen Finanzinstitutionen hinaus. "Es ist der gender-blinde Ansatz zur Entwicklung von Budgets und Finanzpolitik der zur weiteren Geschlechterdiskriminierung in der Gesellschaft beiträgt" erklärte Jayasinghe.

G20-Staaten und die internationalen Finanzinstitutionen müssen die Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Handlungen auf die Handlungsfähigkeit und Teilhabe von Frauen und Randgruppen zu berücksichtigen. Allerdings hat Christine Lagarde, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IMF), die eigentlich die Wichtigkeit von Frauen in Führungsposition hervorhebt, vor kurzem in einem Interview mit der Financial Times zugegeben, dass IMF Mitarbeiter Gender-Probleme als "Ablenkung von wichtigeren finanziellen Problemen" sehen.

Quellen: worldbank.org | actionaid.org.uk


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