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Osnabrück. - 150 Millionen alte Menschen in 96 Ländern sind ohne eine finanzielle Absicherung im Alter. Deshalb fordert HelpAge Deutschland von der Bundesregierung, sich bei den Verhandlungen für eine neue Entwicklungsagenda (post-2015) für die soziale Absicherung älterer Menschen weltweit einzusetzen. Die internationale Entwicklungsorganisation hat zum Weltaltentag am 1. Oktober den "Weltalten-Index 2014" veröffentlicht, der aufzeigt, dass die Gruppe der älteren Menschen weltweit schneller wächst als jede andere Altersgruppe.

Norwegen hat Schweden im neuen Weltaltenindex auf dem ersten Platz abgelöst. Deutschland belegt unter 96 Ländern den 5. Platz und ist damit um zwei Plätze zurückgefallen. Die Staaten, die für den Index untersucht wurden, repräsentieren HelpAge zufolge 91 Prozent der weltweiten Altenbevölkerung. In 40 der untersuchten Länder werden 2050 mehr als 30 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre sein.

"Der neue Weltalten-Index erfüllt den Aufruf des UN-Generalsekretärs zu einer Datenrevolution, um den Blick der internationalen Politik stärker auf die Bevölkerungsgruppen zu lenken, die bis heute bei den Entwicklungsanstrengungen übersehen werden", erklärte Michael Bünte, Geschäftsführer von HelpAge Deutschland. "Gerade die Situation alter Menschen wird vielfach überhaupt nicht statistisch erfasst und Hilfsprogramme für sie folglich auch nicht entwickelt."


EINKOMMENSSITUATION IM MITTELPUNKT

Der Index 2014 legt seinen Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Situation alter Menschen weltweit und auf die Rolle, die Rentensysteme hierbei spielen. Er räumt laut HelpAge mit dem Vorurteil auf, solche Systeme seien für Entwicklungsländer nicht finanzierbar. Er mache zudem deutlich, dass die Aussicht auf eine Rente die Lebensentscheidungen der jüngeren Generationen wesentlich beeinflusst, z.B. bei der Zahl der gewünschten Kinder.

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© HelpAge

Bei der Kategorie "Einkommenssicherheit" steht Deutschland auf Position 15, sechs Plätze tiefer als 2013. Hier haben auch einige Schwellenländer Deutschland überholt. Basis für die Bewertung dieser Kategorie ist die Abdeckung der Altenbevölkerung mit einer Rente, die Armutsrate der älteren Bevölkerung, ihr Durchschnittseinkommen im Vergleich zum Rest der Bevölkerung sowie das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

Die Einkommenssituation älterer Menschen habe sich in vielen Ländern durch die Einführung von Sozialrenten (steuerfinanzierte Renten ohne Eigenbeteiligung) wesentlich verbessert, die es inzwischen in mehr als 100 Ländern gibt, berichtete HelpAge. So hätten in China 133 Millionen alte Menschen seit 2009 Zugang zu einer Rente im ländlichen Raum bekommen – das sind 16 Prozent der weltweiten Bevölkerung über 60 Jahre. Im aktuellen Index sind deshalb Länder aufgestiegen, die im vergangenen Jahr neue Sozialrenten eingeführt oder sie ausgeweitet haben.

Weitere Ergebnisse:

  • In Ländern niedrigen und mittleren Einkommens erhalten nur 25 Prozent alter Menschen eine Rente.
  • Die Situation alter Menschen hängt nicht vom ökonomischen Entwicklungsgrad eines Landes ab, sondern primär von politischen Entscheidungen. So gibt Nepal in relativen Zahlen fünf Mal mehr für Sozialrenten aus, als Indien, obwohl das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nur halb so hoch ist.
  • Die afrikanischen Länder machen die Hälfte aller Länder mit niedrigem Einkommensniveau alter Menschen und schlechter Gesundheitssituation aus.
  • Mexiko ist im aktuellen Index um 26 Plätze auf den 30. Platz gestiegen, weil es sein soziales Rentensystem so ausgeweitet hat, dass inzwischen 90 Prozent der Älteren erfasst werden.
  • Renten haben in Brasilien zwischen 1995 und 2004 zu einem Drittel zur Reduzierung der Einkommensungleichheit beigetragen.
  • Sozialrenten sind nicht nur für die Armen wichtig, sondern auch für eine wachsende vulnerable Mittelschicht.

Der Weltalten-Index wurde nach Angaben von HelpAge zusammen mit internationalen Statistik-Experten der Vereinten Nationen, der Weltgesundheitsorganisation, der Weltbank und weiteren wissenschaftlichen Institutionen entwickelt. Er erscheint jährlich und wird ständig weiterentwickelt. So wird vor allem angestrebt, die Zahl der erfassten Länder zu steigern, die Daten auch nach Geschlecht darzustellen sowie weitere Indikatoren zu verwenden.

HelpAge unterstützt alte Menschen dabei, ihre Rechte einzufordern und gegen Diskriminierungen und Armut anzugehen, um ein aktives Leben in Würde und Sicherheit führen zu können. Gleichzeitig fördert die Organisation ihre Potenziale für ein Engagement in der Gesellschaft. Die Veröffentlichung des zweiten Weltalten-Index wird begleitet von Aktionen in mehr als 50 Ländern im Rahmen der internationalen Kampagne Age Demands Action (Alter fordert Aktion) von HelpAge.

Hinweis: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), HelpAge International, HelpAge Deutschland und die Allianz-Gruppe veranstalten vom 28.-29. Oktober die internationale Konferenz "THANKS, OTTO!" in Berlin 125 Jahre nach Einführung des ersten staatlichen Rentensystems in Deutschland durch Otto von Bismarck. Die Konferenz beschäftigt sich mit den neuen globalen Herausforderungen und Perspektiven der Alterssicherung. Bei Interesse weitere Infos siehe unter Kontakt.

Quelle: www.helpage.de