Kampala. - Ein Drittel der Frauen in Uganda wünscht sich nach Angaben der US-Entwicklungsbehörde USAID mehr Abstand zwischen Geburten und weniger Kinder, aber sie haben keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Darüber diskutierten, wie die Zeitung New Vision berichtete, verschiedene Regierungsvertreter Anfang Oktober in der ugandischen Hauptstadt Kampala. Von Lea Gölnitz, z.Zt. Kampala

Gleich zwei aufeinander folgende Konferenzen befassten sich in der ersten Oktoberwoche mit der Bevölkerungssituation in Uganda. Zuerst die  Konferenz "Joint Accountability for Family Planning (FP) 2020 Commitments", organisiert von Partners in Population and Development (PPD), African Regional Office, und finanziell unterstützt von der United States Agency for International Development (USAID).
 Anschließend  fand die Konferenz "Achieving Family Planning 2020 goals for enhanced demographic dividend in Africa in the post 2015 sustainable development agenda" statt. Diese Konferenz wurde ebenfalls von USAID sowie von weiteren Akteuren der Bevölkerungspolitik wie der David and Lucile Packard Foundation, dem Population Reference Bureau (PRB) und dem Population and Health and Environment Consortium of Ethiopia gesponsert.

USAID Mission Direktorin Leslie Reed erklärte bei dem ersten Treffen, Ugandas Entwicklung und wirtschaftliche Zukunft hänge davon ab, ob es gelingt das Bevölkerungswachstum aufzuhalten, indem der Zugang zu Verhütungsmitteln erleichtert wird. Der ugandische Wirtschaftsminister Matia Kasaija stimmte zu: "A woman who produces children every year cannot engage in productive economic activity and the family will not have enough resources to look after the many children, which will lead to poverty and poor health."

Gesundheitsministerin Sarah Opendi sagte: "Frauen sollten in der Lage sein, Kinder nach Wunsch zu haben und es nicht dem Zufall überlassen. Frauen haben reproduktive Rechte und ein Recht auf Gesundheit".

Von etwa 35 Millionen Einwohnern in Uganda sind 12.3 Millionen Jugendliche. Es wird erwartet, dass es in weniger als 40 Jahren 29.5 Millionen Jugendliche geben wird. Nach Angaben des US Population Reference Bureau nutzen nur 26% der verheirateten ugandischen Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren moderne Verhütungsmittel. Insgesamt nutzen nur 30% der Frauen Verhütungsmittel.

Ministerin Opendi kritisierte, dass Uganda den Moment verpasst habe, Familienplanung nicht nur als Gesundheitsangelegenheit anzugehen sondern auch als Entwicklungsproblem. Sie versicherte aber, dass die Regierung ab jetzt mehr politischen Willen und finanziellen Einsatz zeigen werde um das Bevölkerungsproblem zu lösen.

Margaret Sancho, USAID Uganda Direktorin für HIV/Aids und Gesundheit, versicherte den Mitgliedern des ugandischen Parlaments, dass Bevölkerungswachstum und Familienplanung weiterhin eine Top-Priorität der US- Entwicklungsagenda für Uganda bleiben werde.

Ziel der Konferenz war es, die Verbindung zwischen unkontrolliertem Bevölkerungswachstum, Umweltzerstörung und Gesundheit herzustellen, die dazu führten, dass Entwicklung verhindert werde. Die Zerstörung der Umwelt sei auf den "Bevölkerungsdruck" zurückzuführen, hieß es. Wenn es Regierungen in Entwicklungsländern nicht gelinge, eine Balance zwischen Familiengröße, Bevölkerungswachstum, Umweltzerstörung und Verbrauch von Ressourcen zu finden, werde sich der "Bevölkerungsdruck" erhöhen und sich die Armut verschlimmern, warnte die Gesundheitsministerin.

Es ist wichtig hervorzuheben, dass das "Bevölkerungsproblem" allein im Kontext von Entwicklung gesehen wird. Die UN Konferenzen zu Bevölkerung werden "Population and Development" genannt und es wird nur über Entwicklungsländer verhandelt. Diese Logik kann auf Neo-Malthusianer zurückgeführt werden und erklärt ,warum das "Problem der Überbevölkerung" im Kontext von Armut, Entwicklung, Sicherheit, Migration und Umwelt konstruiert wird.

Uganda liegt laut Wikipedia mit einer Fläche von 241.038 Quadratkilometern auf Platz 81. der größten Länder der Erde und hat eine Bevölkerung von knapp 36 Millionen (2012). Interessanterweise ist das nächstgrößte Land Großbritannien, mit einer Fläche von 243,610 km² und einer Einwohnerzahl von 64 Millionen (2013). Großbritannien ist unwesentlich größer, hat aber mehr als doppelt so viele Einwohner als Uganda. Niemand sagt, dass Großbritannien ein Bevölkerungsproblem habe oder gar überbevölkert sei.

Die Verteilung von Reichtum und Ressourcen wird in diesem Kontext kaum problematisiert. Der epo.de Artikel "Population Boom: Wer von uns ist zuviel?" geht auf diese Frage ein.

Solange Entwicklungspolitik nicht Menschenrechts-basiert ist, ist fraglich, ob und wie reproduktive Rechte und Gesundheit, aber auch Gleichberechtigung umgesetzt werden können. Gesundheit und ein menschenwürdiges Leben sollten erstrebenswerte Ziele an sich sein - und kein eventuelles Nebenprodukt von Neo-Malthusianismus und Neoliberalismus.

(Unter Verwendung der Quelle New Vision Uganda


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