friedensnobelpreis logoOslo. - Die Kinderrechts-Aktivisten Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien erhalten den Friedensnobelpreis 2014. Das hat das Nobel-Komitee am Freiltag in Oslo bekannt gegeben. Die beiden hätten sich dafür eingesetzt, dass junge Menschen zur Schule gehen könnten, statt ausgebeutet zu werden, begründete das Nobel-Komitee in Oslo die Preisvergabe. Damit hätten sie gegen Unterdrückung und für das Recht auf Bildung gekämpt.

malalaDie 17-jährige Malala Yousafzai war 2012 wegen ihres Engagements für Schulkinder von Taliban angeschossen worden. Schon im vergangenen Jahr war sie unter den Kandidatin für den Friedensnobelpreis. Sie ist die bislang jüngste Trägerin des Nobelpreises.

satyarthi kailashDer 60-jährige Kailash Satyarthi hat nach Angaben des Nobel-Komitees viele friedliche Demonstrationen und Proteste gegen die Ausbeutung von Kindern angeführt. Sein Einsatz sei vergleichbar mit dem Engagement Mahatma Gandhis.

Die Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, erklärten zu der Preisvergabe: "Die Entscheidung des Nobelkomitees ist ein lauter Ruf an uns alle, sehr viel konsequenter für die Rechte von Kindern weltweit einzutreten. In Krisenregionen unserer Tage leiden ganz besonders die Kinder. Ihre Zukunft wird von Terror, Gewalt und Krieg zerstört. Aber auch jenseits der aktuellen Krisengebiete werden Kinderrechte mit Füßen getreten. Der Friedensnobelpreis mahnt uns: Die Kinder- und Frauenrechte müssen in den Fokus der Entwicklungspolitik gerückt werden."

 "Das Nobelpreis-Komitee hat bei der Preisvergabe in diesem Jahr eine glückliche Hand bewiesen", sagte Wolfgang Gehrcke, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. "Kinderrechtsaktivisten mit dem Nobelpreis zu ehren, ist angesichts massenhafter Verbrechen gegen Kinder die richtige Antwort. Kinder werden zu Soldaten gepresst, in Kriegen getötet, verletzt und viele in ihrer Seele zerstört, in Fabriken durch Sklavenarbeit ausgebeutet und weltweit Opfer von Menschenhandel und sexueller Gewalt. All das zu bekämpfen und zu verändern, das wäre Aufgabe staatlicher und zivilgesellschaftlicher Politik. Leider passiert tagtäglich genau das Gegenteil."

LANGER KAMPF GEGEN DIE AUSBEUTUNG VON KINDERN

"Wir sind stolz und glücklich, dass Kailash Satyarthi für seine Arbeit den Friedensnobelpreis erhalten hat", sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt. "Wir sind froh, dass das fortdauernden Probleme von Kinderarbeit und sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen, die den Preis für unsere Konsumgüter billig halten, dadurch wieder die Aufmerksamkeit finden, die sie verdienen. Nachdem viele unserer Partner den Alternativen Nobelpreis gewonnen haben, zeigt der Friedensnobelpreis, dass wir mit unserer Arbeit gegen Unrecht und Menschenrechtsverletzungen den Finger in die richtigen Wunden legen."

Das evangelische Hilfswerk kooperiert mit Kailash Satyarthi seit Jahrzehnten. Der indische Aktivist kämpft seit langem gegen die Ausbeutung von Kindern. Er organisierte den Globalen Marsch gegen Kinderarbeit in den 80er und 90er Jahren. Die Zahl der arbeitenden Kinder wird in Indien immer noch auf bis zu 100 Millionen geschätzt, viele von ihnen haben 18-Stunden-Tage und das, obwohl Kinderarbeit offiziell verboten ist. Kailash Satyarthi hat sich in Organisationen engagiert, die maßgeblich gegen die weit verbreitete Kinderarbeit in der indischen Teppichindustrie vorgehen. Das Nobelpreis-Komitee würdigte Satyarthis großen Mut in der Tradition von Gandhi im friedlichen Protest gegen die Ausbeutung von Kindern.

Zurzeit fördert Brot für die Welt die von Satyarthi ins Leben gerufene Organisation AVA-BBA. Die Organisation kümmert sich um Kinder, die in die Sklaverei verschleppt wurden. 2008-2012 wurden 250.000 Kinder gegen ihren Willen zur Kinderarbeit gezwungen. AVA-BBA führt regelmäßig Aktionen zur Befreiung von Kinderarbeiterinnen und Kinderarbeitern durch und klagt den Kindern zustehende Kompensationen und Gehälter ein. In der Zufluchtsstätte "Mukti Ashram" erhalten 600 Kinder Unterkunft, Essen, Schutz und Beratung, um ihnen einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen.

"Die Wahl der Aktivistin mit ihrem Engagement für Mädchenbildung ist ein wichtiges Zeichen für die Stärkung von Mädchenrechten weltweit!", erklärte die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES. "Bildung ist die Grundvoraussetzung, um Armut zu entkommen, die eigene Existenz zu sichern und ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt führen zu können. In vielen Regionen der Welt gilt das Recht auf Bildung für Mädchen nur auf dem Papier: Von den 774 Millionen AnalphabetInnen weltweit sind fast zwei Drittel Mädchen und Frauen. Der Internationale Mädchentag am 11. Oktober soll an diese bestehende Diskriminierung erinnern.

"Bildung ist ein Menschenrecht, trotzdem wird es vielen Mädchen weltweit verwehrt. Bildung hilft Mädchen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Kennen sie ihre Rechte und sind sie in der Lage sich selbst zu ernähren, so sind sie besser vor verschiedenen Formen von Gewalt, wie einer frühen Zwangsverheiratung, sexueller Ausbeutung, weiblicher Genitalverstümmelung oder häuslicher Gewalt geschützt. TERRE DES FEMMES unterstützt deshalb verschiedene Organisationen in ihrem Engagement für Mädchenbildung", so Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES.

Aktuell unterstützt TERRE DES FEMMES Organisationen in Nordkamerun, Bulgarien und Sierra Leone zur Stärkung von Mädchen: In Nordkamerun engagiert sich TERRE DES FEMMES mit AFFMHL für Selbstbestimmung durch Bildung. TERRE DES FEMMES förderte den Bau einer Mädchenschule mit eigenen finanziellen Mitteln. Zurzeit werden 62 Mädchen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren unterrichtet. In Sierra Leone arbeitet TERRE DES FEMMES zusammen mit Amazonian Initiative Movement (AIM) gegen weibliche Genitalverstümmelung. Der Schlüssel zur Überwindung dieser frauenfeindlichen Praktik ist Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen. "Menschen bilden heißt sie stärken. Nur über ihre Denkweise können wir das Handeln der Menschen verändern", erläutert die Leiterin des Organisation, Rugiatu Turay. Florika in Bulgarien fördert Mädchen und ermöglicht ihnen einen Schulabschluss. Das Präventivprojekt gegen Frauenhandel informiert Roma-Mädchen über ihre Rechte und unterstützt sie bei ihrem Schulabschluss.


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