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Berlin. - Auf Teeplantagen in Sri Lanka, Kenia und Indien sind mehr als 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren mangelernährt. Das zeigt ein Studie mit dem Titel "Hunger ernten. Plantagenarbeiter und das Recht auf Nahrung", die am Dienstag veröffentlicht worden ist. Die Studie wurde von MISEREOR und dem internationalen Dachverband IUF der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) und der Menschenrechtsorganisation FIAN um Welternährungstag am 16. Oktober verfasst.

Die Studie zeigt die katastrophale Situation von Arbeitern auf Plantagen zur weltweiten Nahrungsmittelproduktion auf. "Ausgerechnet Menschen, die auf Plantagen Nahrungsmittel für unseren täglichen Gebrauch, wie Tee, Zuckerrohr, Bananen oder Palmöl anbauen und ernten, werden so schlecht für ihre Arbeit bezahlt, dass sie sich selber und ihre Familien nicht ernähren können. Das ist ein Skandal", erklärte Benjamin Luig, MISEREOR-Experte für Agrarpolitik und Ernährung und Co-Autor der Studie.

Die Arbeitsbedingungen auf vielen Plantagen hätten sich in den letzten Jahrzehnten insbesondere aufgrund eines erheblichen Preisdrucks auf Plantagenkonzerne deutlich verschlechtert, heißt es in der Studie. Die Bezahlung existenzsichernder Löhne sei so in den wichtigsten Teeanbaugebieten weltweit schlicht nicht möglich. Eine zentrale Verantwortung liege bei Nahrungsmittelkonzernen und Supermarktketten mit starker Marktmacht, die die Preise auf das niedrigste Niveau drücken, wird in der Studie argumentiert.

Am Beispiel des Teesektors zeigt die Studie auf, wie dies in Plantagenregionen aufgrund der viel zu geringen Löhne zu deutlichen Verletzungen des Rechts auf Nahrung führt. Die chronische Mangelernährung von Kindern unter 5 Jahren liegt in fast allen Kernregionen der Teeproduktion in Sri Lanka, Kenia und Indien bei über 30%. Einem besonderen Risiko seien Plantagenarbeiter dort ausgesetzt, wo ganze Produktionsregionen aus dem Markt gedrängt würden, weil sie den Anforderungen des Marktes nicht standhalten könnten. Die Folgen sind dramatisch und reichen bis zu Fällen von Verhungern unter Plantagenarbeiterinnen, wie die Studie belegt.

"Im Textilsektor hat der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, bereits Klartext gesprochen und Ideen entwickelt, wie die internationalen Arbeitsrechts-Konventionen der ILO durchzusetzen wären", so Micha Heilmann, Leiter der Rechtsabteilung von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG). "Ebenso lebensbedrohlich wie die Arbeitsbedingungen im Textilsektor aber sind die Zustände auf den Nahrungsmittelplantagen. So wie sich Müller in der Textilwirtschaft für die Einhaltung von Menschenrechten stark macht, so sollte er auch von Nahrungsmittelkonzernen menschenwürdige Löhne auf Plantagen und die Einhaltung ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht einfordern", so Heilmann. "Allerdings auf verbindlicher Grundlage."

"In der Hungerbekämpfung sollte Minister Müller nicht nur den Schulterschluss mit der Ernährungsindustrie suchen, sondern mit den Gewerkschaften als engem Partner der Entwicklungszusammenarbeit Lösungen finden, die die Situation der Ärmsten der Armen, und das sind PlantagenarbeiterInnen, verbessern. Der Einsatz für existenzsichernde Löhne im Plantagensektor wäre ein wichtiger erster Schritt dahin", betonte Luig.

Foto: Arbeiterin auf einer Teeplantage © Misereor

Quelle: www.misereor.de 


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