philippinen haiyan oxfam 720

Berlin. - Viele asiatische Staaten müssen mehr in die Katastrophenvorsorge investieren, um der Anfälligkeit der Region für die Auswirkungen des Klimawandels gerecht zu werden. Das zeigt der aktuelle Oxfam-Bericht "Can’t Afford to Wait", den die internationale Entwicklungsorganisation anlässlich des ersten Jahrestages des verheerenden Taifuns Haiyan auf den Philippinen veröffentlicht hat. Auch MISEREOR fordert mehr Schutz vor den Folgen des Klimawandels.

Dem Bericht zufolge räumen die Regierungen in Asien der Katastrophenvorsorge nicht ausreichend Priorität ein und setzen vorhandene Initiativen nicht effektiv um. Dies gefährdet mittel- und langfristig die dynamische Entwicklung der Region mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von jährlich sechs Prozent. Denn nach Berechnungen der Asiatischen Entwicklungsbank könnten Schäden durch Extremwetter und andere Folgen des Klimawandels bis 2100 in Indonesien, auf den Philippinen, in Thailand und Vietnam zu volkswirtschaftlichen Verlusten von rund 6,7 Prozent des jährlichen Bruttoinlandproduktes führen. Dies würde viele Erfolge der Region bei der Entwicklung und Armutsbekämpfung zunichtemachen.

Jan Kowalzig, Klima-Experte von Oxfam Deutschland: "Katastrophen wie die auf den Philippinen zeigen, dass sich die Welt den Klimawandel nicht leisten kann. Ohne mehr Anstrengungen bei der Anpassung an die klimatischen Veränderungen werden vor allem arme Menschen ihre Existenzgrundlage verlieren. Den Kampf gegen den Klimawandel können Arme und Reiche nur gemeinsam gewinnen. Die Industriestaaten müssen deutlich mehr Unterstützung leisten. Zur Geberkonferenz für den Green Climate Fund in Berlin in zwei Wochen brauchen wir jetzt Zusagen von zusammen mindestens 15 Milliarden US-Dollar, die zu gleichen Anteilen in Klimaanpassung und Klimaschutz fließen."

In einem weiteren Bericht ("In the shadow of the storm") untersucht Oxfam, welche Maßnahmen die Regierung der Philippinen nach dem Taifun ergriffen hat und wie erfolgreich diese waren. Das Ergebnis: Trotz guter Ansätze auf nationaler Ebene stehen den Gemeinden zu wenige Ressourcen für die Katastrophenvorsorge zur Verfügung. So fehlen auf der lokalen Ebene häufig Personal und aktuelle Landnutzungspläne. Die Regierung hat inzwischen einen Plan zu Verbesserung des Katastrophenschutzes mit einem Finanzvolumen von rund 3,9 Milliarden US-Dollar vorgelegt. Dieser bietet die Gelegenheit, die nötigen Strukturen zu schaffen, um künftig besser auf Katastrophen wie Taifun Haiyan vorbereitet zu sein. Das ist dringend nötig: Denn immer noch kämpfen viele Familien um das Nötigste, versuchen ihre verlorenen Existenzgrundlagen wiederaufzubauen und haben häufig nicht ausreichend zu essen. Dies verschärft das Armutsproblem in einer ohnehin armen Region.

Asien beheimatet zwei Drittel der weltweiten Bevölkerung, die nicht ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt ist. Häufig handelt es sich um Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie Fischerinnen und Fischer. Steigende Meeresspiegel, das Einsickern von Salzwasser und Fluten im Zuge des Klimawandels bedrohen bereits jetzt tausende Menschen entlang der Küsten und könnten in den kommenden Jahren die Existenzgrundlage von bis zu fünf Millionen gefährden.

Zudem ist Asien den Vereinten Nationen zufolge die am häufigsten von Naturkatastrophen betroffene Region der Welt. 78 Prozent der 2013 bei Naturkatastrophen umgekommenen Menschen lebten in Asien, obwohl nur 60 Prozent der weltweiten Katastrophen dort stattfanden. In den vergangenen 20 Jahren musste die Region außerdem rund die Hälfte der geschätzten weltweiten ökonomischen Verluste in Folge von Katastrophen verkraften, fast 53 Milliarden US-Dollar jährlich. Alleine die Schäden im Zuge von Überflutungen in Südostasien addieren sich auf rund 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr.

Der Oxfam-Bericht "Can’t Afford to Wait" untersucht die Politik der zehn Mitgliedsstaaten des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN) sowie vier Mitglieder der Südasiatischen Vereinigung für regionale Kooperation (SAARC) im Bereich Katastrophenvorsorge und Klimawandelanpassung. Zwar haben viele Regierungen inzwischen Initiativen gestartet, doch diese wurden nur selten erfolgreich umgesetzt. Ein Hauptproblem ist die ineffektive Zusammenarbeit zwischen nationalen und lokalen Behörden.

Im November 2013 zerstörte Taifun Haiyan die Existenzgrundlage von über einer Million Kokosbäuerinnen und -bauern sowie 200.000 Fischerinnen und Fischer auf den Philippinen. Seitdem hat Oxfam in 32 Gemeinden über 868.960 Menschen unterstützt, unter anderem mit sauberem Trinkwasser, Gemeinschaftslatrinen und Hygieneartikeln sowie mit landwirtschaftlichen und anderen Inputs zur Wiederherstellung der Existenzgrundlagen.

Auch MISEREOR fordert mehr Schutz vor den Folgen des Klimawandels. "In Armut lebende Menschen im globalen Süden leiden am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels, tragen aber am wenigsten dazu bei", sagte die Leiterin der MISEREOR-Asienabteilung, Elisabeth Bially. "Dafür war die Taifun-Katastrophe auf den Philippinen einmal mehr ein dramatisches Beispiel. Die Menschen haben gelernt, mit Wetterextremen zu leben. Der Wucht von Haiyan waren sie dennoch schutzlos ausgeliefert."

Am 8. November 2013 hatte der Taifun, der zu den schwersten aller Zeiten zählt, Tod und Zerstörung in große Teile der zentralphilippinischen Region Visayas gebracht. Hunderttausende leiden noch immer unter den Folgen. Mit insgesamt rund 3,4 Millionen Euro hat MISEREOR seitdem Nothilfe- und Wiederaufbaumaßnahmen unterstützt.

Foto: Colin Keegan/Irish Mirror, courtesy of Oxfam Ireland

Quellen: www.oxfam.de | www.misereor.de