mccBerlin. - Das Zeitfenster für einen weltweiten Kohleausstieg schließt sich immer schneller: Vor allem arme, aber schnell wachsende Entwicklungsländer investieren derzeit massiv in den Bau neuer Kohlekraftwerke. Dieser Energieträger erscheint auch deshalb so billig, weil die sozialen Kosten – beispielsweise Gesundheitsschäden – meist unterschlagen werden. Das geht aus dem Artikel "King Coal and the Queen of Subsidies" hervor, den der Ökonom und Klimaforscher Ottmar Edenhofer jetzt im Fachmagazin Science veröffentlicht hat.

"Wer auf Kohlekraftwerke setzt, begibt sich auf eine Pfadabhängigkeit, die dem Weltklima noch über Jahrzehnte schwer zu schaffen machen wird", sagt Edenhofer, Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin. "Falls wir es jetzt versäumen, die weltweiten Kohlesubventionen abzuschaffen, steht die Klimapolitik vor dem Scheitern."

Der MCC-Direktor argumentiert in seiner "Perspective" auch mit Blick auf Daten des Internationalen Währungsfonds und der US-amerikanischen Naturschutzorganisation Sierra Club sowie eigene Forschungen. Kohle ist weltweit als Energielieferant vor allem deshalb so beliebt, weil es große Vorkommen gibt und der Kohlepreis relativ zu Erdgas oder Erneuerbaren Energien sehr niedrig ist. Hinzu kommt, dass Staaten den Einsatz von Öl, Gas und Kohle weltweit mit 150 Dollar je Tonne CO2 subventionieren, wenn man alle Kosten mit einrechnet. Zudem drückt der zunehmend globalisierte Kohlemarkt den Preis für diesen Energielieferanten weiter nach unten.

"Ein Land muss längst nicht mehr auf riesigen Vorkommen sitzen, um den Brennstoff verfeuern zu können", so Edenhofer, der auch Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist. "Es ist schon fast zynisch: Wenn sich ein Staat von der Kohle verabschiedet, bleibt mehr für die anderen, so dass diese den Klimakiller noch günstiger erhalten."

Wenn nur ein Drittel der derzeit weltweit geplanten Kohlekraftwerke tatsächlich gebaut wird, werden dadurch über die Jahre 113 Gigatonnen zusätzlich in die Atmosphäre ausgestoßen. Damit wäre das globale Kohlenstoffbudget zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziel bereits nahezu aufgebraucht. Denn die bereits existierenden Kohlekraftwerke sind über 40 Jahre gerechnet für den kumulativen Ausstoß von 729 Gigatonnen CO2 verantwortlich. Insgesamt kann die Atmosphäre jedoch nur circa 1000 Gigatonnen aufnehmen, wenn sich die Erde im globalen Mittel um nicht mehr als Zwei Grad Celsius erwärmen soll.

Edenhofer plädiert für einen Stopp der direkten und indirekten Kohlesubventionen. "Am MCC konnten wir zeigen, dass ein Ende der Kohle- Subventionen ein hervorragendes Programm zur Armutsbekämpfung wäre", sagt er. "Würde das Geld in den nächsten 15 Jahren in bessere Infrastrukturen gesteckt, hätten bis dahin in 70 Staaten der Welt die Menschen universellen Zugang zu Trinkwasser, in 60 funktionierende Sanitäranlagen und in 50 Elektrizität." Derzeit fehlt in rund 80 Staaten universeller Zugang dazu.

Das MCC erforscht nachhaltiges Wirtschaften sowie die Nutzung von Gemeinschaftsgütern wie globalen Umweltsystemen und sozialen Infrastrukturen vor dem Hintergrund des Klimawandels. Sieben Arbeitsgruppen forschen zu den Themen Wirtschaftswachstum und -entwicklung, Ressourcen und Internationaler Handel, Städte und Infrastrukturen, Governance sowie wissenschaftliche Politikberatung. Das MCC ist eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Edenhofer, Ottmar (2015): King coal and the queen of subsidies.
Science. Vol. 349 no. 6254 pp. 1286-1287, DOI: 10.1126/science.aad0674

Quelle: www.mcc-berlin.net 


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