BTC Pipeline in der T?rkeiBerlin/Tiflis (epo.de). - Einen Tag vor der Eröffnung der neuen Baku-Tbilisi-Ceyhan Pipeline (BTC) im türkischen Ceyhan haben internationale Umweltorganisationen vor den Folgen des Projekts gewarnt. Trotz zahlreicher Versprechen durch den Ölkonzern British Petroleum (BP) und die finanzierenden Entwicklungsbanken wie Weltbank und Osteuropabank kämpften die Menschen längs der Pipeline mit Einschüchterung, sozialen und wirtschaftlichen Problemen, beschädigter Infrastruktur und Verschmutzung, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung der NGOs.

"Wir beschäftigen uns seit über fünf Jahren mit BTC. Es gibt fürchterliche Berichte längs der Pipeline über nicht gezahlte Kompensation für Land und Schäden sowie leere Versprechen zu Jobs, die geschaffen werden sollten", sagte Manana Kochladze von der georgischen Umweltorganisation Green Alternative. "Wenn sich die Betroffenen jedoch bei BP oder den Banken beschweren wollen, heißt es immer nur, 'sorry, da können wir nichts tun'."

Zu den bestehenden Problemen kommt nach Angaben der Umwelt-NGOs, zu denen auch die deutsche Umwelt- und Menschenrechtsorganisation "urgewald" zählt, ein zusätzliches Umweltproblem hinzu: Das aserbaidschanische Öl reicht nicht, um die Pipeline zu befüllen. Ab Herbst solle deshalb zusätzlich kasachisches Öl in die Pipeline fließen. Es werde per Tanker über das kaspische Meer transportiert.

Umweltorganisationen hatten diese Entwicklung vorhergesehen und gefordert, dass die Finanzinstitutionen diesen Aspekt bei der Umweltprüfung und Genehmigung von BTC berücksichtigen - vergeblich. "Für BTC wurde immer damit geworben, dass die Pipeline den Bosporus entlasten würde, zumindest trotz gestiegener Ölproduktion nicht zu mehr Tankern in der Meerenge führen würde. Nun fahren doch mehr Tanker, statt auf dem Bosporus auf dem Kaspischen Meer, einem sehr empfindlichen Ökosystem - das ist ein Unding!", erklärte Regine Richter von urgewald.

Zudem werden negative Auswirkungen auf die aserbaidschanische Wirtschaft befürchtet, in der Armut und Arbeitslosigkeit an der Tagesordnung sind. Längs der Pipeline habe es Einschüchterungen gegen kritische Stimmen gegeben, in Aserbaidschan seien Journalisten verhaftet, in Georgien Dorfbewohner von Sicherheitskräften verprügelt und in der Türkei Pipelinekritiker eingeschüchtert, verhaftet und misshandelt worden, so urgewald. In Georgien seien im vergangenen Jahr 30% der BTC bezogenen Landrechtsfragen ungeklärt geblieben. Zudem gebe es technische Probleme: Für die Pipeline sei eine Versiegelung verwendet worden, die in dieser Form noch nie industriell angewandt wurde. In der Folge seien Unmengen von Rissen in der Ummantelung aufgetreten.

"All dies zeigt, dass das Projekt für die vor Ort Betroffenen wenig Nutzen bringt. Das ist typisch für Ölprojekte. Es ist deshalb nicht einzusehen, dass Entwicklungsbanken ihre begrenzten Mittel einsetzen, um schwerreiche Ölkonzerne zu unterstützen. Die deutsche Entwicklungsministerin muss sich dafür einsetzen, dass die Weltbank ihr Geld für regenerative Energiequellen ausgibt, statt es Ölmultis in den Rachen zu werfen", forderte Richter.

Die BTC Pipeline transportiert Öl über 1.760 km aus dem Kaspischen Meer vom aserbaidschanischen Baku über Georgien nach Ceyhan. Sie wurde von einem Konsortium aus elf Ölfirmen unter der Führung von BP gebaut. An der Finanzierung sind die Weltbank, die Osteuropabank, zahlreiche Privatbanken, unter ihnen die Hypovereinsbank und die WestLB, beteiligt. Ebenso hat es Hermesbürgschaften für das Projekt gegeben.

Nach Angaben von Bankwatch haben die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD, Osteuropa-Bank) und die zur Weltbankgruppe gehörden International Finance Corporation (IFC) zusammen genommen 500 Millionen US-Dollar in das Projekt investiert. Internationale Exportkredit-Agenturen leisteten Garantien in Höhe von 1,36 Milliarden US$.

Das Sustainable Energy & Economy Network (SEEN) schätzt, dass die Kohlendioxid-Emissionen der BTC Pipeline für die nächsten 20 Jahre rund 3,1 Milliarden Tonnen betragen - was in etwa dem gesamten CO2-Ausstoss Argentiniens für 25 Jahre entspricht.

[Karte: SEEN]

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