Brüssel/Berlin (epo). - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Deutsche Naturschutzring (DNR) haben die EU-Regierungen aufgefordert, den Export von Quecksilber aus der EU bis spätestens 2011 zu verbieten und Sofortmaßnahmen zur sicheren Lagerung von Quecksilberüberschüssen aus der Industrie zu ergreifen. Nach Angaben der Umweltverbände werden große Mengen giftiges Quecksilber in Entwicklungsländer verbracht.

Am 13. Mai kommen Vertreter aus den EU-Mitgliedstaaten zusammen, um über die europäische Strategie für ein Exportverbot von Quecksilber zu beraten. Auch die EU-Umweltminister werden sich am 24. Juni dazu positionieren.

Quecksilber und seine Verbindungen sind hochgiftig für Mensch und Umwelt. Große Mengen sind tödlich und selbst relativ kleine Dosen können das Nervensystem erheblich schädigen. Schon bei Zimmertemperatur verdampfen aufgrund seines hohen Dampfdruckes bereits geringe Mengen an Quecksilber. Quecksilber reichert sich über die Nahrungskette in Fischen und Meerestieren an. Studien belegen Gefahren für die menschliche Gesundheit, die von Quecksilberablagerungen ausgehen. Bis zu 15 Millionen Europäer könnten nach Schätzungen der EU-Kommission bereits nahe der erlaubten Grenzwerte mit Quecksilber belastet sein.

Die EU hatte sich nach Angaben der Umweltverbände noch im Februar auf dem Regierungsrat des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) für eine global verbindliche Vereinbarung zu Quecksilber stark gemacht. Ziel sollte sein, den Export von Quecksilber schnell zu unterbinden. Jetzt zeige sich, dass Deutschland gemeinsam mit Großbritannien und Polen hinter diese Vereinbarung zurück wolle und erst einmal den Ausgang der internationalen Verhandlungen abwarte, bevor auf europäischer Ebene Schritte unternommen werden. Der Abschluss der internationalen Verhandlungen könne sich aber noch hinziehen. Staaten wie die USA weigerten sich bisher, einem internationalen Vertrag über Quecksilber zuzustimmen.

"Über 12.000 Tonnen Quecksilber werden in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren von der EU in Entwicklungsländer exportiert, wenn sich die EU-Mitgliedstaaten nicht schnell auf ein Exportverbot einigen", sagte BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm. "Dabei ist bekannt, welch negative Folgen Quecksilber auf die menschliche Gesundheit und die Natur hat. Giftige Ablagerungen finden sich nicht nur in weit entfernten Gebieten. Auch Nahrungsmittel, die EU-Bürger zu sich nehmen, enthalten Quecksilber und schädigen die Gesundheit."

Etwa 300 Tonnen Quecksilber wurden in der EU im Jahr 2003 u.a. in der Zahntechnik, bei Leuchtstofflampen sowie Mess- und Kontrollgeräten eingesetzt. Die EU ist mit etwa 1000 Tonnen der weltweiten Liefermengen von gegenwärtig jährlich etwa 3600 Tonnen Großexporteur von Quecksilber. Diese Quecksilberexporte stammen überwiegend aus den Überschüssen des Chloralkali-Sektors.

"Allein in den Goldminen in Afrika, Asien und Südamerika werden 1000 Tonnen Quecksilber pro Jahr zur Bindung des Goldstaubes verbraucht - meist ohne Schutzmaßnahmen für die in den Minen arbeitenden Menschen und die Umwelt. Der größte Teil des dabei gewonnenen Goldes wird zu Schmuck verarbeitet. Als größter Quecksilberexporteur der Welt muss die EU ihrer globalen Verantwortung gerecht werden und den Export dieses gefährlichen Giftes einstellen", so Nika Greger, Leiterin der EU-Koordination des DNR.

Zudem sollten sich die EU-Mitgliedstaaten international für einen Ausstieg aus der Quecksilberproduktion einsetzen, denn nur so seien die negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur zu verhindern.

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