Dan HalutzJerusalem/Berlin (epo.de). - Der als "Vergeltung" für die Entführung zweier Soldaten durch die Hisbollah-Miliz deklarierte Krieg Israels gegen militärische und zivile Ziele im Libanon war offenbar von langer Hand geplant. Israels Generalstabschef Dan Halutz, strategischer Kopf des Libanon-Feldzuges, nutzte sein "Insiderwissen" aber auch für private Aktiengeschäfte. Kurz nach der Entführung der Soldaten und noch vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen löste Halutz nach israelischen Medienberichten sein privates Aktiendepot auf, um kriegbedingte Kursverluste zu vermeiden. Hohe Offiziere im Generalstab forderten seinen sofortigen Rücktritt.

Wie die israelische Zeitung "Ma'ariv" am Dienstag berichtete, beauftragte Dan Halutz seinen Börsenmakler am 12. Juli, drei Stunden nach der Entführung der beiden israelischen Soldaten durch die Hisbollah, mit der Auflösung seines Aktiendepots bei der Bank Leumi in Tel Aviv im Umfang von rund 22.000 Euro. Die Aktienkurse an der Börse von Tel Aviv brachen in den nächsten beiden Tagen um 8,3 Prozent ein.

Laut Medienberichten rechtfertigte sich Halutz damit, wie jedermann müsse auch er sich um das finanziell Wohl seiner Familie kümmern. Die Vorwürfe seien in der Sache richtig, aber tendenziös und "bösartig", sagte Halutz. Er habe zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst, dass ein Krieg ausbrechen werde.

Genau dies trifft aber nach den Recherchen des US-amerikanischen Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh nicht zu. Hersh zufolge, der sich unter anderem auf israelische Geheimdienstquellen beruft, war Generalstabschef Dan Halutz der strategische Kopf des Libanon-Feldzuges. Israel habe einen ausgeklügelten Plan für den Angriff auf die Hisbollah gehabt und diesen mit der US-Administration unter George W. Bush noch vor den Entführungen vom 12. Juli beraten, schreibt Hersh in der Zeitschrift "New Yorker". Es habe lediglich eines Anlasses bedurft, um ihn auszuführen.

Politiker in Israel und Offiziere äußerten sich bestürzt über die Vorwürfe gegen den Generalstabschef, der auch wegen seiner Kriegführung im Libanon in der Kritik steht. Hohe Offiziere des Generalstabes forderten seinen sofortigen Rücktritt, berichtete die israelische Tageszeitung Haaretz am Mittwoch.


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